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Autor Thema: Caras Galadhon  (Gelesen 3647 mal)
Vexor

Edain Ehrenmember

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« am: März 24, 2008, 02:26 »

...Gwilwileth von Wälder Lothloriens

Die Karawane hatte Caras Galadhon erreicht und machte nun endlich halt. Gwilwileth sprang vom Wagen und als sie den Boden berührte durchfuhr sie ein stechender Schmerz und nur mühsam konnte sie einen Laut unterdrücken.
Die Wunde ist doch schlimmer als ich dachte.
Sie striff sich das Gewand glatt, dass sie trug und überprüfte die Wagons.
Die Wagons sind alle heil geblieben und bis auf die drei Elben, die wir auf dem hohen Pass verloren haben ist niemand verletzt worden.
Sie erreichte den letzten Wagen, in dem Jutan gesessen hatte. Er war leer!
Wo ist er?
Sie sah sich um und fragte einen der Elben, die mit ihnen gereist waren, ob sie ihn gesehen hatten. Dieser verneinte und Gwilwileth suchte nun fast panisch nach ihn.
Als sie ihn nach einer Viertelstunde immer nicht nicht gefunden hatte, obwohl sie nun schon angefangen hatte laut nach ihm zu rufen, rief sie ihre Nachtigall herbei und befahl ihr den Weg, den sie gefahren waren, und die nähere Umgebung abzusuchen.
Bei all seinem Glück ist er vom Wagen gefallen und hat sich das Genick gebrochen.
Gwilwileth schauderte es bei den Gedanken und war entsetzt über ihre Ironie.
Sie stieg in einen der Wagen und kramte ein himmelblaues Kleid aus ihrer Tasche.
Sie hatte es in Imladris im Sommer oft getragen und sie befand es als unwürdig den Herren des Lichts mit blutiger und dreckiger Kleidung entgegen zu treten.
Als sie sich umgezogen hatte und aus den Wagen stieg öffnete sie ihr Haar erneut.
Was hab ich nur mit meinen Haaren in letzter Zeit? Sonst binde ich sie immer zusammen
Als sie sich die restlichen Haare aus dem Gesich und hinters Ohr strich, da blieb ihre Hand an der Narbe auf ihren Gesicht stehen und zum zweiten Male an diesem Tag war sie wie in Trance als sie ihre Narbe sanft streichelte. Sie erinnerte sich an den Tag, als ihr trauriges Schicksal begann. Bevor sie aber weiter abschweifen konnte kam ein Elb auf sie zu und begrüßte sie.
"mae govannen", antwortete Gwilwileth höflich.
"Herr Celeborn und Herrin Celebrian erwarten sie", sagte der Elb ihr nicht in die Augen blickend, obwohl er es versucht hatte.
Gwilwileth war es gewohnt, dass niemand sie anzublicken vermochte und sie empfand es als Fluch, wie als gesegnte Gabe.
Gwilwileth dankte dem Elb und lies sich zu Celeborn und Galadriel führen.
Während sie dem Elb folgte beobachtete sie Caras Galadhorn und war fasziniert von der Schönheit der Baumhäuser und viel zu kurz kam ihr der Weg vor, den sie waren schon da und der Elb verabschiedete sich mit einer Verneigung. Gwilwileth jedoch beachtete ihn nicht mehr, denn die Herren des Lichts standen vor ihr und geblendet von ihrer Schönheit und Weisheit verneigte sich Gwilwileth sprachlos.
Ich hatte die beiden nicht so schön in Erinnerung. Ich merke, dass zu viele Jahre seit meinem letzten Besuch vergangen sind.
" Sei gegrüßt Gwilwileth-Dúlin, Ziehtochter meines Fleisch und Blutes", begrüßte sie Celeborn.
" Ich bin geehrt in Caras Galadhon wieder zu Gast zu sein", entgegnete ihm Gwilwileth
Galadriel sagte nichts, sondern beobachte Gwilwileth nur mit ihren strahlend blauen Augen.
Galadriel hat sich verändert. Sie strahl zwar immer noch die selbe Weisheit und Schönheit aus wie damals, jedoch sieht sie müde aus und das strahlen iher Augen ist trüber als damals.
" Wie ich sehe ist die Reise ohne Probleme verlaufen" fuhr Celeborn fort.
" Es gab einen Orküberfall auf der Mitte des Weges, aber wir konnten die Orks erfolgreich abwehren. Jedoch fielen drei unserer Begleiter in der Schlacht", sagte Gwilwileth.
"Welche Kunde bringst du mit von Elrond aus Bruchtal?", fragte sie Celeborn freundlich.
Gwilwileth teilte Celeborn alles mit was Elrond ihr aufgetragen hatte und als Gwilwileth sich gerade erheben und gehen wollte, da erhob Galadriel zum ersten mal die Stimme.
" Mein Kind, schwer hast du zu tragen gehabt in deinem Leben und schlimmes Schicksal wird dich noch ereilen, aber lasse nicht die Trauer dein Leben bestimmen. Ich sehe für dich auch gutes Schicksal voraus solange du die richtigen Entscheidungen triffst und du dich nicht von Geschichten aus lang vergessener Zeit beeinflussen lässt. Meine Tochter, Celebrian, sie hat dich geliebt, wie ihre eigene und meine Enkel, Elladan und Elrohir, haben dich behütet und geliebt wie ihre Schwester und auch ich werde dich lieben wie meine Enkelin, meiner geliebten Tochter Tochter".
Gwilwileth sah Galadriel an und sah sie lächeln und aufeinmal und ohne Grund fing Gwilwileth an zu weinen. Es war ein Weinen, dass tief aus ihrer Seele kam, denn tief beweget hatte sie Galadriels Worte und dass Bild einer kalten und unheimlichen Frau, dass Gwilwileth sich über die Jahre von Galadriel aufgebaut hatte zerbrach. Galadriel nahm sie in die arme und so standen sie da noch ein paar Stunden.
" Lange habe ich dich gefürchtet und gehasst", sagte Gwilwileth mit matter Stimme," doch hast du mich eines besseren belehrt und niemehr möchte ich von hier fortgehen"
Da antwortete ihr Galadriel," Doch dein Schicksal hat sich noch nicht erfüllt mein Liebes."Du gingst aus Imladris mit einen Schwur, denn du erfüllen must, denn auch meine Liebsten sind darin verstrickt. Solange dieser nicht erfüllt ist kannst du auch in Lorien keinen Frieden finden".
Mit diesen Worten küsste Galadriel  Gwilwileth auf die Stirn und folgte Celeborn in ihr Gemach.
Gwilwileth stand noch lange so da, bevor sie sich zu den Wagen aufmachte.
Als sie unten ankam sah sie wie ein paar Elben, die mit ihr den hohen Pass überquert hatten, freudig ihre Verwandten umarmten und es störte Gwilwileth nicht, denn nun hatte sie selber Familie und etwas an dem sie festhalten konnte, auch wenn sie noch nicht wusste, dass es ihr noch einiges Leid bescheren würde.
Sie holte aus ihren Wagen ihre silberne Rüstung, die sie in Imladris hatte anfertigen lassen und verstaute diese in einer Truhe, die sie in Galadriels Haus aufbewahren lies bis sie sie benütigen würde.
Sie war so sehr in Gedanken über Galadriel und die vohergegangen Ereignisse vertieft gewesen, dass sie ganz Vergessen hatte das sie Jutan auch noch suchen musste.
Sie beschloss sich morgen auf die Suche zu machen, da ihre Nachtigall eh noch nicht zurückgekehrt war und es ohne sie keinen Sinn machen würde loszuziehen.
So begab sie sich in eins der Gemächer, dass Galadriel für sie bereitstellen hatte lassen.
« Letzte Änderung: März 24, 2008, 10:30 von Vexor » Gespeichert

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« Antworten #1 am: März 24, 2008, 23:58 »

Gwilwileth schreckte aus dem Schlaf. Dunkles hatte sie geträumt von dunklen Schatten, die ein Herz mit Federn bestückt attackierten.
Ein seltsamer Traum und erschreckend war er und auch vermag ich ihn nicht zu deuten.
Gwilwileth jedoch war nicht mehr müde und als sie aus ihrem weichen Bett stieg war sie hellwach. Sie streifte sich ein seidenes silbernes Kleid über und gürtete sich ihre Schwerter um.
Man kann nie wissen auf welche Kreaturen man stößt. Auch nicht in den Goldenen Wäldern Lothloriens
Sie verlies ihr Gemach und stiege die runde Treppe hinab. Es war still geworden und kein Geräusch drang an Gwilwileths Ohren. Obwohl die Nacht hereingebrochen war strahlten die Lichter Loriens und bläuliches Licht viel auf Gwilwileths Gesicht. Sie hatte den Boden erreicht und machte sich eilig auf die Suche nach Jutan.
Sie hatte eigentlich im Sinn gehabt auf ihre Nachtigall zu warten doch diese war noch nicht aufgetaucht und Gwilwileth war des Wartens leid.
Sie verlies Caras Galadhon um in den umherliegenden Waldstücken nach ihm zu suchen.


... nach Wälder Lothloriens
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« Antworten #2 am: April 13, 2008, 14:28 »

Kurz vor  den Anlegestellen der Stadt, am Tag nach der beinahe-Flucht der Elben(wie sie dahin kommen steht bei meinem Char)


Die Ruder schlugen langsamer und verharrten allmählich als sich die Boote den Ufern Lothloriens näherten. Im Morgengrauen glitzerte der Tau auf den Gräsern und Bäumen ebenso wie die Fluten des Flusses.
Wir sind da,gestikulierte Larccon den Männern der Eskorte,Themba du solltest dich in Schale werfen, sie werden uns wahrscheinlich direkt zu Galadriel und Celeborn bringen. . Der Angesprochene schmunzelte und antwortete:
"Da gibt es nicht allzu viel zu werfen, 4 Wochen Flussfahrt mit gelegentlichen Pfeilhageln hinterlassen überall ihre Spuren, ob auf der Kleidung oder auf ihrem Träger". Bei diesen Worten fasste er sich an den linken Arm der straff bandagiert war. Die Orks hatten nur knapp eine Schlagader verfehlt, die Wunde würde noch lange brauchen um sich zu schließen. Nichts desto trotz solltest du dich bereit machen, wir legen an, gestikulierte der Anführer der Eskorte und sprang ins Wasser um seinen Männern zu helfen die Boote an Land zu ziehen.

Wie erwartet wurden sie umgehend  vor das Herscherpaar gebracht.
Themba und die anderen Gesandten, sanken auf die Knie und brachten den beiden Elben ihre Ehrerbietungen da, Larccon neigte nur leicht den Oberkörper, er war schon öfters in Lothlorien gewesen während den Jahren seiner Wanderungen und hatte die höfischen Floskeln und Masken von Anfang an nicht gemocht und nach einiger Zeit auch nicht mehr beachtet. Niemand nahm es ihm übel. Nachdem die Gesandten geendet hatten, erhob sich Galadriel:
„Wir heißen die Menschen aus Rhohavanion willkommen, auch wenn wir den Zweck ihrer reise nicht verstehen. Sicher kann die kleine Gruppe von Soldaten nicht alles sein was der Nordosten aufzubieten hat im Kampf gegen Sauron?“
Themba erwiderte „Natürlich nicht Herrin, doch wäre es eine Sache der unmöglichkeit gewesen das Heer hierher zu bringen und es hätte mehr geschadet denn genutzt. Denn Sauron hatt seine Spione überall, heute sogar noch mehr als früher, und es wäre ihm aufgefallen hätten wir unser Heer nach Lothlorien geschickt. Dann hätte er sofort unsere Heimat angegriffen, sie im Sturm genommen und wäre seinem Ziel einen Schritt näher. Wir sind hier aus 3 Gründen: um Klarheit zu schaffen dass wir euch beiseite stehen, um euch eine Übersicht über unsere Truppenstärke zu geben damit der Krieg besser geplant werden kann und um eine Nachrichtenverbindung nach Thal einzurichten.“-“Das erste und das zweite verstehe ich und es erfreut mich. Doch wie wollt ihr es zustande bringen Nachrichten von hier nach Thal zu bringen? Schon eure Reise Flussabwärts muss Wochen gedauert haben.“ - Themba lächelte und winkte einem der  Männer hervorzutreten. Er hatte einen Falknerhandschuh an jedem Arm und auf jedem saß ein Falke, größer und edler als man sie seit langem in Lothlorien gesehen hatte.
„Das sind Botenfalken. Die Falkner sprechen ihre Sprache und können ihnen Nachrichten auf den Weg geben, sie müssen jedoch den Ort zu dem sie Fliegen wollen mindestens einmal gesehen haben oder ein anderer Falke der den Weg kennt muss sie führen. Sie sind in der Lage den Weg von hier nach Thal innerhalb von 2 Tagen zurückzulegen und fliegen dabei so hoch dass nur Adler und die Reittiere der  Nazgul sie erreichen könnten.“ - „ Das sind wahrlich edle Tiere. Wenn dies der Zweck eures Kommens war dann danken wir euch. Ihr werdet mit unseren Rüstmeistern und Strategen reden müssen um die Heere zu koordinieren, doch sei ihr sicher müde von der Weise und wollt Ruhen. Ich lasse euch Räume zuweisen, wir können morgen über den Krieg reden. Einen schönen Tag noch Themba und Larccon, es hat mich gefreut euch und eure völlige Missachtung des Protokolls wieder zu sehen .
Larccon grinste, neigte sich erneut und verließ dann mit den anderen den Saal.
« Letzte Änderung: April 14, 2008, 17:43 von TheIggle » Gespeichert
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« Antworten #3 am: April 19, 2008, 20:29 »

am nächsten Tag,kurz vor Caras Galadhon, in der Nähe der Räume die man den Gesandten zugewiesen hat
"Was meint ihr mit niemand darf Caras Galadhon betreten? Wir waren doch erst gestern dort!", rief der Dolmetscher empört. Nicht viele Elben kannten Larccons Zeichensprache und so hatte er kurzerhand seinen Adjudanten zum Dolmetscher befördert.Die Mine des Elb an den diese Worte gerichtet waren blieb starr,"Ja, und ihr kamt nur lebendig dort an weil unsere Späher Larccon erkannt haben. In diesen Tagen ist Verrat an der Tagesordnung und mehr als diese eine Ausnahme wird es auch für euch nicht geben.", dann wandte er sich an Larccon,"Ich hoffe ihr versteht das Rhendir, obwohl euch die meisten hier Vertrauen können wir auch für euch keine Ausnahme machen.
Ich verstehe auch wenn es mich betrübt...Nun Selwyn, dann machen wir eben einen Waldspaziergang, du wirst staunen wie schön die Wälder sind. gestikulierte der Angesprochene, Selwyn übersetzte den an den Elben gerichtete Teil und verabschiedete sie beide von dem Elben.
ab zu Wälder Lothloriens zum freien Einbau in eure storyideen, bei mir is grad blockade
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« Antworten #4 am: Mai 14, 2008, 10:22 »

Gwilwileth und Jutan von Wälder Lothlóriens...

Gwilwileth und Jutan hatten die Nacht über ausgeruht, denn Galadriel und Celeborn hatten wichtigen Besuch gehabt, deshalb konnten sie die beiden nicht empfangen.
War es töricht so überstürzt reagiert zu haben? Und was ist mit Nîdanadh und Drellir...ich hoffe sie haben sich nichts angetan
Gwilwileths Gemüt verschlechterte sich stetig, wenn sie daran dachte, dass Nîdanadh nun tot seinen könnte. Auch wenn sie versuchte die Gefühle für ihn immer wieder zurückzudrängen, so waren sie doch immer präsent und manchmal, wenn sie in einer der kühlen Nächte in ihrem Bett lag und der eisige Wind ihr um die Füße streichelte, da dachte sie an ihn und seine Augen, die so wunderschön waren.
Jedoch wurde sie aus sofort aus ihren Gedanken gerissen, als Jutan zu ihr kam.
Er hatte sich rasiert und trug die edle Rüstung, die er von den Galadhrim bekommen hatte.
" Warte Jutan ich kämme dir noch kurz das Haar nach hinten, damit du noch gepflegter aussiehst, wenn du vor Galadriel und Celeborn trittst", sagte Gwilwileth beherzt und mit einem Lächeln auf dem rosigen Gesicht.
Wie Erwachsen er aussieht. Bis auf die menschlichen Züge in seinem Gesicht könnte man ihn für einen Elben halten.
Gwilwileth hatte ihr Haar offen gelassen, denn so war es Sitte im Waldlandreich.
Jutan und sie gingen nun zu den Gemächern Galadriels und Celeborns.
Als sie den runden Raum betraten sah Gwilwileth, dass noch andere Personen anwesend waren.
Ein alter Mann ganz in weiß gekleidet und mit einem weißen Stab....das muss Gandalf der Weiße sein...aber da sitzt noch jemand...auch ein älterer Mann mit einem hölzernen Stab...bestimmt einer der Istari...aber welcher?

Galadriel kam, zugleich in dem Moment, wo die beiden den Raum betraten, auf Gwilwileth zu und umarmte sie freundlich.
" Wie geht es dir mein Kind?", fragte sie mit warmherziger Mine und Stimme.
" Herrin mir geht es den Umständen entsprechend Gut, aber ich komme mit wichtiger Kunde und deshalb habe ich Jutan, Haleths Sohn, mitgenommen; denn er hat wichtige Informationen, die uns helfen können".
" Ich weiß, was er geträumt hatt und auch, was du geträumt hast, meine Ziehenkelin. Und das was ihr seht befürchten auch Celeborn und ich", entgegnete Galadriel bedrückt.
Die anderen Personen waren ganz still. Celeborn, Gandalf und der andere Mann hörten nur zu und Jutan hatte seitdem sie den Raum betreten hatten nicht einmal den Kopf gehoben.
" Galadriel, soll ich etwas zur Verteidigung beitragen? Kann ich -", Galadriel unterbrach Gwilwileth sanft, aber bestimmend.
" Mein Schatz, nichts kannst du beitragen als entschlossen zu kämpfen und den Schmerz in deinem Herzen zu vergessen. Ich habe dich beobachtet, wie du Aufgegangen bist in der Aufgabe diesen Jungen zu trainieren," Galadriel blickte nun zu Jutan, der puderrot anlief, " Gute Arbeit hast du geleistet und nun muss ich dich bitten zu gehen. Ich bedanke mich für deinen Entschlossenheit mir zu Kunde zu überbringen, auch wenn ich die schlechte Nachricht schon kannte. Nun geh und versüß dir die Zeit in den Wäldern Lothlóriens, solange sie noch friedvoll und schön sind".
Mit diesen Worten gab sie Gwilwileth einen Kuss auf die Stirn und begleitete die zwei zur Tür. Gwilwileth und Jutan waren nicht in der Lage gewesen etwas zu entgegnen, als die Tür sich hinter ihnen schon schloss.
Verwundert standen die beiden vor der Tür.
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« Antworten #5 am: November 25, 2008, 21:17 »

Gwilwileth stieg die anmutigen Stufen zu den Gemächern der Herren Lothlóriens hinauf. Das gesamte Waldlandreich wurde in nachtblaues Licht getaucht, und die Baumkronen glänzten in dieser klaren Mondnacht.
Gwilwileth hielt inne, und sie atmete tief die Luft ein, die sie vernahm. Der Duft des Schnees und die eisige Nachtluft empfand sie als tröstend und angenehm. Der Winter war ihr die liebste Jahreszeit.
Alles eingetaucht in ein weißes Kleid...so friedlich...so still. Der Winter ist der Übergang zwischen Alt und Neu, zwischen Schaffen und Zerstörung, zwischen Neubeginn und Vergessen.
Sie setzte ihren Weg fort, und erreichte das Zimmer, welches Galadriel und Celeborn gehörte. Sie blickte von dem verzierten Balkon, hinab auf den festlich erleuchteten Platz, wo die Siegesfeier für die verwundeten Krieger Mittelerdes stattfand.
Auch ihr scharfer Blick, mit dem alle Elben gesegnet waren, konnte in der Menschenmasse, die Menschen die ihr am wichtigsten waren nicht ausmachen.
Ich fühle mich so leer, so rastlos. Die Schlacht ist gewonnen, die Feinde zurückgeschlagen, und doch sehne ich mich nach mehr.
Sie wandte sich von der Szenerie ab, und betrat das Zimmer und setzte sich auf einen der Stühle. Sie zündete kein Licht an, und nur das schwache Mondlicht erfüllte den Raum.
Der Tod ein ständiger Begleiter auf unseren Pfaden, doch in letzter Zeit ist er zu oft Gefährte auf meinen Wegen. Schon immer hatten wir ein besonderes Verhältnis. Seit dem Verhängnisvollen Tages in den Pässen des Nebelgebirges, hält er mein Herz mit seinen eisigen Fingern umgriffen, und er hat sich geschworen es nie wieder los zu lassen. Doch warum, warum sehne ich mich nach seiner Anwesenheit, wenn ich doch so verabscheue?
Gwilwileth saß noch mehrere Stunden mit ihren Gedanken allein als plötzlich ein Bote in die Gemächer von Galadriel und Celeborn stürmte.
„ Hohe Herrin Gwilwileth? Wo seid ihr?“, fragte der Bote außer Atem. Gwilwileth antwortete nicht zugleich, sondern wartete ab bis sie ihre Tränen fortgewischt, und ihre Gedanken geordnet hatte.
„ich bin hier, was wollt Ihr von mir?“
„ Werte Frau, Galadriel und Celeborn übertrugen auch die höchste Befugnis nach ihnen, im Falle eines Notfalles. Wir wollen die Herren bei der Zeremonie nicht stören, und so wandten wir uns an euch!“
Gwilwileth musste aufgrund so großen Vertrauens, seitens Galadriels und Celeborns stutzen, aber sie fing sich schnell und entgegnete besorgt, „ So sprecht was ist passiert? Kann dies nicht bis zum Ende der Zeremonie warten?“
Sichtlich verängstigt antwortete der Bote, “ Ein Gesandter, ein Gesandter des Schwarzen Landes ist hier. Er möchte mit den Herren des Goldenen Waldes sprechen, um ein Angebot zu unterbreiten.“
Ein Angebot?...Aus dem Schwarzen Land? Welche neue Teufelei ist dies nun?
Ohne ein weiteres Wort folgte Gwilwileth dem Boten, und wurde bis an die Grenzen Caras Galadhons geführt. Dort wartete auf einem Schwarzen Pferd einer der schwarzen Numenorer. Er war groß, und trug einen pechschwarzen Mantel, der im blauen Mondlicht schimmerte.
Der Numenorer antwortete in der Sprache des Westens, „ Dies ist nicht die Herrin des Goldenen Waldes, denn nur mit ihr bin ich befugt zu sprechen!“
„So hört ihr Bote des Verfluchten im Schwarzen Land. Ich bin Gwilwileth-Dúlin, Tochter Elronds und Celebrians, der Tochter Galadriels. Somit bin ich Nichte der Herrin des Goldenen Waldes und ihre Vertretung in Tagen ihrer Unabdingbarkeit.“
Als Gwilwileth den Satz geendet hatte musste der Bote lachen.
„ Wenn ihr wahrlich Gwilwileth-Dúlin seid, so bin ich auch gewillt und befugt mit euch zu sprechen; denn für euch beide ist die Botschaft, die mein Gebieter mir auftrug.“
„ Sprecht schnell“, sagte Gwilwileth kühl, “ oder ihr macht Bekanntschaft mit den Pfeilen der Grenzwachen.“
„ Nicht doch, werte Frau, nicht doch. Es ist vielmehr ein Präsent zum Sieg. Der Schwarze Herr empfiehlt sich.“
Mit diesen Worten drehte der Schwarze Bote um und ritt in schnellen Galopp hinfort.
Gwilwileth hingegen hielt das schwere Bündel in der Hand; jedoch merkte sie auf ihren Weg zurück zu den Gemächern Galadriels und Celeborn, dass das Bündel von irgendeiner Flüssigkeit durchtränkt, und merkwürdig klebrig war.
Als sie die Gemächer erreichte entzündete sie Kerzen, und der Kerzenschein, tauchte den gesamten Raum in ein warmes und angenehmes Licht.
Sie atmete tief durch bevor, sie schließlich einen Dolch nahm, um den kratzigen Stoff zu durchschneiden. Die Nähte gaben ohne weiteres nach, und Gwilwileth konnte das Paket entfalten.
Gwilwileth Gesichtsfarbe änderte sich von dem einen Moment auf den anderen, von pfirsichfarbenen Wangen, zu Leichenblässe.
Der Tod drückte die eisigen Finger erbarmungslos zu.
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« Antworten #6 am: Dezember 02, 2008, 21:25 »

Das Zimmer war nun verdunkelt, und die seidenen Vorhänge flatterten im kühlen Nachtwind.  Die Wände des großen Raumes waren gestrichen mit Trauer, der Fußboden war mit  Dielen des Leids ausgelegt worden, und in Mitten dieser Dinge saß eine Frau, die wie leblos schien.
Sie saß auf einen Stuhl und hatte ihren Rücken zum Tisch gewandt, auf dem ruhelos zwei Sachen lagen. Die Frau hatte schon vor langen aufgehört zu weinen, denn sie konnte es nicht mehr, auch in ihrem Inneren regte sich nichts; nichts Menschliches konnte man an der rothaarigen Frau mehr erkennen. Sie schien wie eine Marionette, die nun regungslos, von ihren Meister achtlos in die Ecke seiner Werkstatt geworfen, dort verharren musste. Hätte man ihr in die Augen gesehen so hätte man nichts gesehen, kein Hauch von Leben, kein Hauch von Emotionen.
Gwilwileths Finger waren klebrig und rot, aber sie dachte nicht daran aufzustehen. Sie dachte nicht daran jemals wieder aufzustehen. Sie konnte es nicht, denn das was sie gerade gesehen hatte, hatte ihr gesamtes Leben zerstört. Es war nicht die Tatsache, die sie schockiert, nicht die Nachricht gewesen, nein es war die Art, wie es vollstreckt worden war. Die Vorstellung des ruhmvollen Todes dieser beiden Menschen wurde dadurch zunichte gemacht.
Sie rührte sich nicht als ein Elb das Zimmer betrat. Sie blickte nicht auf als Celeborn zu ihr schritt, und ihr durch das rote Haar fuhr. Sie wehrte sich nicht, als Celeborn ihr aufhalf und sie in eines der weichen Betten legte. Sie schloss nur die Augen, als Galadriel ebenfalls das Zimmer betrat und sich zu ihr legte. Erst jetzt als Celeborn und Galadriel bei ihr waren, fing sie an lauthals zu weinen, und bald daraufhin zu schreien. Sie schrie, während Celeborn ihr das Haar streichelte, und Galadriel sanft ein Lied anstimmte.
Gwilwileth wurde in dieser Nacht von Albträumen geplagt, aber als sie am nächsten Morgen aufwachte wirkte alles klarer als je zuvor. Sie musste zunächst realisieren, wo sie war, aber bald hatte sie erkannt, dass sie in Galadriels und Celeborns Gemach geschlafen hatte, und die Ereignisse des letzten Abends wurden ihr wieder schleierhaft bewusst.
Celeborn saß an dem Tisch, wo sie gestern das Präsent des schwarzen Boten erhalten hatte. Er wirkte unbekümmert, über die Nachricht der Toten, und ihre Hinrichtungsart, aber Gwilwileth konnte an seiner Haltung  erkennen, wie sehr er innerlich tobte. Auch Galadriel, die am Fenster stand, wirkte äußerlich unbekümmert, aber ihre Augen verrieten die Trauer und den Ekel über das Paket, welches sie erhalten hatte.
Lange blickten sich die drei nur in die Augen, ohne zu sprechen. Doch sprachen sie über all die Sachen, die sie bedrückten, über ihre Blicke, und so standen sie mehrere Stunden.
Jedoch brach Galadriel doch das Wort, und ihr Stimme klang schwächlich und zerbrechlich, wie ein gefrorener Teich im September.
„Gwilwileth...“, und nun war ihre Stimme nicht mehr schwächlich, sondern bestimmt und direkt, aber sonderbar kühl,“ Ich will, dass du sie rächst. Ich will, dass du meine Enkel, deine Brüder rächst. Denn sie verdienten nicht so zu enden. Als Trotzobjekt des Verfluchten, und als Opfer dieses Krieges. Ich werde die Misshandlung, die sie wiederfahren haben nicht dulden; weder an meinem Volk nach einer meiner Familie.“
Die Worte waren wie Balsam für Gwilwileths Seele, jedoch fuhr Galadriel fort.
„Gestern Abend kam neben dem Bote des Schwarzen Landes, auch ein weiterer Besucher in das Waldlandreich. Ich werde dich mit dieser Person auf eine Reise schicken, um Elladan und Elrohir zu rächen, und als Begleitschutz für den jungen Elben; denn er ist nicht sonderlich erfahren in der Kriegsführung, und sein Auftrag liegt auf deinen Weg.“
„Doch Galadriel, wo soll mich dieser Racheakt den hinführen? Direkt in das Schwarze Land zum Throne des Dunklen Herrschers?“, fragte Gwilwileth, aber sie wirkte nicht schockiert bei der Vorstellung dorthin reisen zu müssen.
„Mein Kind, diese Schandtat, ward begangen, bei einem geringen als Sauron selbst. Es ist der neue Statthalter des Orthancs im Nan Curunir. Diesen sollst du toten, denn er hat sie gefoltert, und ihre Köpfe als Präsent und Siegesgeschenk an uns gesandt. Auch ist eine dritte Aufgabe dort den Rohirrim beim Aufstand zu helfen, denn unorganisiert ist der neue Statthalter, und noch geschwächt sind seine Truppen. Nun bereden wir dies später ich werde unseren Gast nun hineinbitten.“
Damit ging Galadriel zur Tür und bat den Gast hinein.
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« Antworten #7 am: Dezember 10, 2008, 20:44 »

...von "Grenze Loriens"

Ehrfürchtig folgte Antien der Herrin Loriens in den Raum. In vollen Zügen genoss er den Duft der von ihr ausging. Er erinnerte ihn an einen uralten Waldfluss, der fröhlich und frisch in seinem Bette sprudelt. In der Nähe von ihrem Gatten mischte sich das kräftige aber doch edle Aroma von gewaltigen Kiefern und Ahornen hinzu, sodass Antien in Gegenwart des Paares sogleich an einen milden Frühlingstag im Alten Wald dachte.

Mit warmen Fingern hielt Antien seine neue Harfe, die er letzte Nacht bei einem Wett-Singen gewonnen hatte. Nachdem er von Galadriel erfahren hatte, dass Gandalf schon wieder fort sei, hielt er die Feierlichkeiten in Lorien für eine willkommene Abwechslung nach seiner langen Reise. Nach Anbruch des neuen Morgens war er wieder zu Caras Galadhon zurückgekehrt, da die hohe Herrin ihm Gandalfs genauen Aufenthalt nennen wollte.

Celeborn blickte auf, und hob ein Pergament von der Tischplatte hoch. „Dies ist wahrlich eine interessante Landkarte, Eruantien. Sie erinnert mich an die warmen Tage, als man noch ganz Mittelerde unter einem schützenden Blätterdach durchqueren konnte. Ich habe die Ländereien um einige neue Orte ergänzt, aber die Waldlandreiche ließ ich unverändert. Möge uns auf diese Art ein Zeugnis ihres alten Glanzes erhalten bleiben.“
Antien strahlte, als er die Karte wieder entgegen nahm. Die neuen filigranen Linien hoben sich nur leicht von den alten ab. Ein unbedachter Beobachter hätte keinen Unterschied bemerkt.

Galadriel deutete mit einem schlanken Zeigefinger auf eines der neu gekennzeichneten Königreiche südlich von Lothlorien. †šRohan†™ stand dort in geschwungenen Lettern.
„Gandalf ist nach Rohan, das Land der Pferdeherren aufgebrochen, um dort den Widerstand der Menschen zu verstärken. Er wird vermutlich nie lange an einem Ort verweilen, aber mit etwas Glück solltet ihr ihn finden können.“ Die Herrin lächelte, auch wenn ihre Augen weiterhin betrübt schimmerten. „Und bisher schien euch euer Glück gute Dienste geleistet zu haben...“

Antien verbeugte sich. „Ich danke euch, Herrin. Ich werde in Bälde nach Rohan aufbrechen.“, er rollte die Karte zusammen und ließ sie in seinen Beutel gleiten.
„Warte noch Eruantien. Du scheinst mir nicht jemand zu sein, der gerne allein reist. Ich möchte dir noch jemanden als Begleitung mitgeben.“ Mit diesen Worten trat Galadriel einen Schritt zur Seite und deutete mit einer Hand auf ein großes Himmelbett.

Erst jetzt fiel Antien das gewaltige Schlafstätte auf, sowie die auf ihm ruhende Elbin. Rot-blondes Haar lockte sich wirr über ihren Schultern. Der seidene Stoff der Bettdecke ruhte sanft auf ihrer Haut. Mit großen blauen Augen musterte sie Antien. Ihr Blick sprach in einer seltsamen Sprache zu ihr, aber er verstand sie nicht und blickte einfach freundlich zurück.
Nun bemerkte Antien einen neuen Duft um sich herum. Ein wilder Wald eröffnete sich in seinem Inneren. Das frische Harz von Eichen, die einen starken Sturm überstanden haben. Falken und Eulen durchkreuzten den Himmel. Ein grade erst abgebranntes Lagerfeuer schwelte im kühlen Morgendunst.
Der Duft war kalt, würzig, aber dennoch irgendwie angenehm.

Ein Lächeln umspielte Antiens Mundwinkel, als ihm vom Duft inspiriert eine Melodie einfiel. Ohne zu Zögern spielte er mit geschickten Fingern die Klänge auf seiner Harfe. Ein warmer Windhauch berührte die Vorhänge des Bettes und ließ sie scheinbar zu der Melodie tanzen. Es dauerte nur einen Augenblick, dann verklangen die letzten Töne zusammen mit der Morgenbrise.
„Seid mir gegrüßt, holde Jungfer. Mein Name ist Eruantien Temeleth. Ich freue mich, dass wir den uns bevorstehenden Weg teilen werden.“
« Letzte Änderung: Dezember 10, 2008, 23:04 von Adamin » Gespeichert

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« Antworten #8 am: Dezember 10, 2008, 21:25 »

Gwilwileth lag auf dem Bett, als der gutmütige Elb das Zimmer betrat. Sie betrachtete ihn zunächst ungläubig, und ihre Stirn legte sich in Falten.
Wer ist dies? Er sieht nicht aus, wie ein Kämpfer, sondern strahlt vielmehr eine innere Ruhe aus, die schon fast beunruhigend ist.
Sie antwortete nicht sofort, sondern stand auf. Ihre Beine fühlten sich sonderbar weich und zittrig an, und bei den ersten Schritten hatte sie noch ein paar Schwierigkeiten, und wäre fast gestolpert.
Gwilwileth schritt zum Fenster, und starrte den hellen Vollmond an. Das Mondlicht färbte ihre gesamte Gestalt in einen abstrakten Farbton. Ihre, vom weinen roten Augen, brannten nun feuerrot.
Ihre Gedanken schweiften nun wieder zu ihren Stiefbrüder, die sie so sehr vermisste, wie noch nie in ihrem Leben. Ihr Herz zog sich immer weiter zusammen, und Gwilwileth hatte das Gefühl, dass es bald ganz verschwunden wäre.
Plötzlich und erwartet drehte sie sich um und sah Antien tief in die Augen.
Dieser sah sie nun verdutzt zurück, aber lächelte unentwegt.
"Ich...ich...bin"-Gwilwileth brach ab; sie konnte die Tränen nicht zurückhalten und fing nun an so bitterlich zu weinen, dass streckenweise keine Luft mehr bekam.
Und ohne nachzudenken stürtzte sie auf Antien zu, und schlang sich um ihn. Sie weinte nun bitterlich und presste sich an seine Brust.
"Ich..bin..Gwilwileth", schluchzte Gwilwileth und schlang sich noch fester um Antien, denn hier fühlte sie sich geborgen, auch wenn sie nicht wusste wieso.
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« Antworten #9 am: Dezember 10, 2008, 23:49 »

Antien sackte nach hinten zurück, nicht etwa wegen Gwilwileths Gewicht, sondern aus Erstaunen über die plötzliche Gefühlsregung.
Er konnte sich keinen Reim darauf machen, was genau gerade mit der Elbin in seinen Armen vor sich ging. Freilich kannte er Tränen. Sein Ziehvater lachte oft so lange, bis ihm Tränen in die Augen gestiegen waren und sich einen Weg durch seinen struppigen Bart gebahnt hatten. Aber Gwilwileth schien ihm irgendwie im Moment nicht wirklich erheitert zu sein.

Auch wenn er sich den Tränenausbruch nicht ganz erklären konnte, so fühlte Antien doch ganz deutlich, dass Gwilwileth sehr müde war. Er spürte, dass es ihr an Glück fehlte, was ihm befremdlich vorkam, denn sein ganzes Leben war stets voller Glück. Statt von Freude und Liebe, wurde sie allerdings von einem anderen Gefühl beherrscht, dass Antien nicht benennen konnte.

Doch selbst ohne eine wirkliche Gewissheit über die Situation, fühlte er, dass es richtig war Gwilwileth zu halten. Ihre heißen Tränen rollten Antien über die Schulter und versickerten in seiner Kleidung. Der Duft den er eben zum ersten Mal wahrgenommen hatte, umwebte ihn nun vollkommen. Die Elbe an seiner Brust schluchzte. Celeborn und Galadriel blieben still im Hintergrund. Ihre Blicke waren nun wieder klar und glänzten voller Liebe und Mitgefühl.
Allmählich versiegten die Tränen. Gwilwileths Atmung ging wieder gleichmäßig. Sie war so eng an Antien gepresst, dass dieser spüren konnte, wie sich ihr Herzschlag immer mehr beruhigte.

Die Sonne wanderte auf dem Himmelszelt weiter und lugte durch das weit geöffnete Fenster in den luftigen Raum hinein. Ihr Licht ruhte sanft auf Gwilwileths dunkelgoldenem Schopf. Behutsam beugte Antien seinen Kopf nach vorn. Wie ein Flügelschlag sprach er sacht:

„Es ist gut, dass wir uns begegnet sind.“
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« Antworten #10 am: Dezember 12, 2008, 17:37 »

Antien und Gwilwileth machten sich noch am selben Tage auf und Gwilwileth packte ihr Habseeligkeiten zusammen. Sie packte verschiedene Karten, Kräuter und ihre Dolche ein. Ihre Rüstung ließ sie jedoch hier, denn Galadriel versprach ihr, sie mit einem zuverlässigen Boten nachzuschicken.
Antien und Gwilwileth verabschiedeten sich, und Gwilwileth verabredete sich mit Antien an der südöstlichen Grenze Loriens, da sie sich noch bei ein paar Leuten verabschieden wollte.
Sie zu den Heilhäusern Loriens, um sich von Jutan, Maethor und Nîdanadh zu verabschieden. Doch sie fand nur den schlafenden Jutan vor. Er sah so firedlich aus, dass Gwilwileth ihn nicht wecken wollte, und hinterließ in einem Brief, wo sie ihre Beweggründe für den schnellen Aufbruch schilderte, und ihren Schmerz ihn verlassen zu müsse. Auch Maethor hinterließ sie einen Brief, wo sie festhielt, dass sie sich auf ein baldiges Wiedersehen freuen würde.
Den Brief für Nîdanadh hielt sie kurz, da sie ihre Gefühle für ihn nicht auf ein Stück Papier festhalten konnte.
So sattelte sie ihre weiße Stute und machte sich auf zur Grenze Loriens.
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« Antworten #11 am: Februar 19, 2010, 15:12 »

Celebithiel, Antien, Aphadon und Amrûn aus den Wäldern Lothloriens II

Gemächlich folgte sie dem schmalen Pfad, der immer tiefer in den Wald hinein führte. Die Stimmung hier war eigenartig... Zwischen den vielen Büschen und Sträuchern drangen dutzende gedämpfte Gespräche an sein Ohr, alle froh, dass die Herren des Waldes zurückgekehrt waren, aber doch mit überwiegend ernstem Tonfall.
Hier, unter den dichten Wipfeln der Mallorn, lag kein Schnee und auch die Kälte wurde vom Blattwerk größtenteils abgehalten. Nicht einmal eine winzige Brise trübte die Illusion, sich eigentlich im Inneren eines gewaltigen Bauwerks zu befinden.
"Meine Vergangenheit liegt euch also am Herzen..." murmelte Aphadon und blickte hinab auf seine abgewetzten Lederschuhe. Er spürte, wie Amrun bekräftigend neben ihm nickte, während ein kleiner, von Seerosen bedeckter Teich links an ihnen vorbeiglitt.
"Nun... meine Reise begann am Ort meiner Geburt, dem fernen Gortharia. Einst eine herrliche Stadt, so ist sie heute zu einem Moloch voller Diebe und Halsabschneider geworden, in dem Epidemien und Aufruhr brüten.
Doch auch trotz allen Übels: Gortharia hat nicht all seinen alten Glanz eingebüßt. Als Ulthar der Weise die Stadt vor Jahrhunderten aus dem massiven Gestein des Aschengebirges erschuf, bedeckte er die rußgeschwärzten Dächer mit dem Gold, das die Ostmenschen seit den Dagor Bragollach erbeutet hatten, die Schätze Amans, die in unsere Hände fielen, wurden selbstverstädnlich nicht eingeschmolzen- sie ruhen in den Tiefen des Goldenen Palastes... Doch ich schweife ab. Die Geschichten der alten Zeit, in der die Ostlinge noch frei und voller stolz waren, haben bei uns einen sehr hohen Stellenwert. Es gibt hunderte."
Aphadon legte eine Pause ein, um sich neu zu sortieren und seine Erzählung auf sich zu beschränken.
"Jedenfalls ergab es sich, dass ich vor gut drei Jahrzehnten, dass ich unter dem Namen Nerblog als Sohn eines alten Kriegskrüppels und einer Waschfrau am Hafen, dem vielleicht heruntergekommensten Teil der Stadt geboren wurde... Mein Vater erzog mich streng, aber liebevoll. Er wusste, dass meine einzige Perspektive, aus dem Hafenviertel zu entkommen, das Heer war.
Die Häscher aus Mordor hatten der Bevölkerung schon seit Jahren vorgemacht, das Heer Rhuns biete ihnen enorme Auftiegsmöglichkeiten, um möglichst viele neue Rekruten zu locken. Deshalb unterrichtete mich mein Vater intensiv im Kampf mit dem Speer.
Als die rechte Zeit gekommen war, gab mir mein Vater, er hieß Parlog, den Auftrag, einen Höhlentroll zu erlegen und als Beweis seine Haut zurückzubringen- so war es Tradition in meiner Familie. Der Erlös, den man aus dem Verkauf einer solchen Haut bekam, war eine Art "Freikauf" für den Sohn, um von nun an seine eigenen Wege gehen zu können."
Aphadon stieg vorsichtig über eine knorrige Wurzel, die sich über den Pfad streckte.
"Es gelang mir, eines dieser mächtigen Wesen durch einen Trick zu erlegen. Ich häutete den Troll, und machte mich auf den Rückweg, wobei es zu einer unglücklichen Begegnung mit einem Ork kam. Ich tötete ihn, nicht in dem Wissen, dass er eine Botschaft aus dem Schwarzen Land mit sich trug. Vor den Toren der Stadt erklärte man mich also zum Mörder eines Boten des Dunklen Herrn.
Ich konnte der Hinrichtung entrinnen und gelangte in die Braunen Lande, wie sie westlich des Großen Stroms genannt werden. Orientierungslos streifte ich dort ungezählte Monde umher, fassungslos vor Trauer, ein Vertriebener zu sein und planlos, was er denn nun tun sollte.
Nach einer Ewigkeit erreichte ich den Großen Strom und folgte ihm bis zu einer Furt, wo ich ihn überquerte.
Wenige Tage später stieß ich auf einen Flüchtling aus Gondor, den ich nach Lothlorien begleitete."
Aphadon machte eine kurze Pause und benetzte seine trockenen Lippen mit Wasser.
"Hier erhielt ich vor... ich habe keinen Schimmer, wie lange es her ist, vielleicht ein halbes, vielleicht ein ganzes Jahr, den Auftrag, als Ostling in Moria nach Aktivitäten der Orks zu forschen. Tatsächlich war das Schwarze Loch voll von ihnen. Doch mein Tarnung als Bote Saurons funktionierte und ich gelangte zu ihrem Anführer. Er gab mir eine Liste der Truppenstärke ihres "Stammes". Doch kurz bevor ich unbehelligt entkommen konnte, flog ich auf. Es kam zum Duell zwischen mir und ihrem Herren. Ich verwundete ihn schwer, doch konnte er mich bezwingen. Durch einen glücklichen Zufall ereignete sich dies auf den Minen. Ich stürzte in einen Schmelzbach und wurde weit nach Süden getrieben.
Es müssen knapp zwei Wochen gewesen sein, bis mich ein Waldläufer namens... wie hieß er noch gleich...  Verdammt! Jetzt fällt es mir nicht ein. Jedenfalls fischte er mich aus dem Wasser. Doch statt mir irgendwie zu helfen ließ er mich nach kurzem Gespräch vor dem Fangorn zurück; als gefundenes Fressen für die Orks. Er meinte, die Menschen seien für ihn unwürdig oder so...
Tatsächlich fand mich ein Orktrupp aus Isengart und verschleppte mich dorthin. Nachdem ich eine kurze, nette Unterhaltung mit dem Mund geführt hatte, warf man mich in die Minen... Und dort blieb ich mit Arafaron bis zur Schlacht.
Den rest der Geschichte kennt ihr ja."   
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« Antworten #12 am: Februar 19, 2010, 18:24 »

Amrûn liebte es die Geschichten von Fremden zu hören. Sie gewährten ihm einen Einblick in das Leben eines jeden. Sie offenbarten vieles was Menschen oft versuchen zu verbergen.
Als er die Geschichte von Nerblog hörte wurde er traurig. Die wenigen Gemeinsamkeiten zwischen ihren Leben waren wie eine handvoll einsamer Hängebrücken über einer tiefschwarzen. Eines ging dem Elben nicht mehr aus dem Kopf. Die Tatsache, dass er von allen getrennt war die er liebte, aber ihm war es nicht möglich zu ihnen zurück zu kehren. Amrûn hatte diese Möglichkeit und sie war schon in greifbarer Nähe. Seine Eltern und seine Freunde würden sich freuen ihn wieder zu sehen, aber Nerblog schwebte in einer Ungewissheit, verbannt vom eigenen Volk.
„Tapfer verbirgst du, was dein Leben bedrückt, Nerblog. Jetzt da ich deine Geschichte kenne, kenne ich auch dich. Ich sehe den Menschen unter dem dunklen Deckmantel, unter dem Panzer den du um dich gewickelt hast. Mein Gefühl sagt mir, dass du ein ehrlicher Mensch bist, auch wenn ich deiner Sippe misstrauisch gegenüber stehe.“

Der Ostling ging neben ihm her. Immer wieder richtete er seinen Blick auf dem Weg um nicht über irgendetwas zu stolpern und um den Blicken des Elben auszuweichen.
„Ich verstehe, dass du all dies hinter dir lassen willst, Aphadon. Von heute an bist du für mich, wie dein Name schon sagt, nur ein Mensch. Ein Mensch den wir aus den Verliesen Isengarts befreit hatten, ungeachtet aller Urteile die mein Volk gegenüber deinem gefällt hat.“
Aphadon nickte zustimmend zu, ein leises „Danke“ huschte über seine Lippen. Mittlerweile hatten sie das Zentrum von Caras Galadhon erreicht. Eine grüne Wiese umrandet von den silbernen Stämmen der Mallornbäume. Zahlreiche Treppen führten nach oben zu den Flets in den Kronen.
„Hier werden wir bleiben. Das Gras in Lorien ist weich und erfrischend, um ein vielfaches angenehmer als die Betten im Feldlager“, sagte er zu Aphadon, während er seine silberne Rüstung ablegte und an einen Baumstamm lehnte.
Immer wieder sah er zum Ostling, wie er über die Worte nachdachte. Amrûns Mitgefühl wuchs bei diesem Anblick. Er konnte es nicht verstehen von seinem Volk verbannt zu werden. Es musste schrecklich sein.
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« Antworten #13 am: Februar 25, 2010, 19:03 »

„Aphadon! Willst du nach oben gehen, in die Kronen der Bäume?“, fragte Amrûn „Ich zeige dir den Palast von Galadriel und Celeborn. Erst dort oben wirst du dir bewusst, wozu Elben ihre Talente nutzen. Was sie all die Jahre hier erschaffen haben im goldenen Wald fern ab von Krieg und Leid.“
„Gerne“, antwortete der Ostling.
Gemeinsam stiegen sie die schier endlosen Treppen hinauf, die sich wie Lianen die Baumstämme hochschlängelten. Je weiter sie nach oben kamen, umso dunstiger wurde die Luft und umso schwärzer färbte die hereinbrechende Nacht die Umgebung.
Der Ostling war schon bei der Hälfte des Weges außer Atem, aber er zeigte sich kraftvoll und so nahm er es mit den zahlreichen Stufen auf.
„Dies ist es. Die Häuser Lothloriens, gebaut auf Flets, versteckt in den Kronen der uralten Mellyrn. Dreitausend Jahre wachsen sie bereits auf dem fruchtbaren Boden des Waldes“, stellte der Elb das Herzen des Reichs vor. Schon seit seinem ersten Besuch vor mehr als 2500 Jahren, zählte er das Waldreich zu seiner Heimat, auch wenn er das Meer vermisste; Die wogende See, die salzige Luft und das Kreischen der Möwen.
„Ist das euer Geburtsort?“, fragte Aphadon nun neugierig, als er erstaunt auf den Palast von Caras Galadhon starrte.
„Nein“, antwortete der Elb „All dies hier entstand erst lange nach meiner Geburt. Ich komme von der Küste.“
„Von dem fernen Ort der sich †šGraue Anfurten†™ nennt, nicht wahr?“
„In Mithlond verbrachte ich fast mein ganzes Leben. Dort wurde ich geboren und dort werde ich zum letzten Mal auf die vertrauten Gefilde und auf mein Leben zurückblicken. Es bedeutet mir alles“, antwortete der Elb. Seine Augen strahlten förmlich als er die untergehende Sonne und den Horizont in seinen Gedanken sah.
„Werden wir dorthin kommen?“, fragte der Ostling.
„Das kann ich euch nicht sagen. Ich für meinen Teil werde es bald wieder sehen.“
„Dort werdet ihr sicherlich schon freudig erwartet von euren Freunden und von eurer Gemahlin“, sagte Aphadon.
„Meine Freunde habe ich hier an meiner Seite, die wenigen die noch geblieben sind nach so langer Zeit“

Amrûn dachte an Celebithiel und an Antien. Die wohl einzigen Freunde die er noch hatte in Mittelerde. Selbst Gandalf war nun entschlafen und weit weg von ihm. Trauer breitete sich in ihm aus, er schien zu vergessen wer er war und was er für andere bedeutete. Die Worte Galadriels durchdrangen seine Gedanken: Die Freunde sind es die einen stark machen und sie bieten einem Halt wenn man in der Strömung des Flusses beinahe untergeht.

Amrûn war vertieft, während der Mensch sie Umgebung bestaunte. Aphadons Worte brachten ihn zurück in die Gegenwart: „Als ich das letzte Mal hier war, erschien mir das Reich so unfreundlich und abweisend, dass ich diese Schönheit nicht sehen wollte. Nicht sehen konnte...
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« Antworten #14 am: Februar 28, 2010, 20:08 »

Aphadon lehnte sich nachdenklich gegen die glatte Rinde des Baumstammes, an dem ihre Plattform befestigt war. Es war faszinierend, das Treiben am Boden, die atemberaubende Architektur der Flets und die sich in den Baumwipfeln bewegenden Tiere zu beobachten. Trotz des herinbrechenden Winters trieben sich hier viele bunte Vögel und mindestens zwei dutzend herumtollender Eichhörnchen herum.
Aphadon ging zum hölzernen Geländer hinüber und lehnte sich darauf, während er beobachtete, wie sich zwei der zierlichen Pelzträger einen langen Ast entlang jagten. Die goldenen Blätter der Bäume erzeugten eine außergewöhnlich helle Atmosphäre. Sicher würde dieses Phänomen abends im Laternenschein noch wesentlich besser aussehen, dachte der Ostling kurz, dann drehte er den Kopf zu dem Elben, der es ihm gleichgetan hatte und das Schauspiel in den Bäumen beobachtete.
"Zum wievielten Mal seid ihr nun schon hier und doch verliert der Wald nichts an seiner Faszination", bemerkte Aphadon lächelnd, pflückte sich eines der goldenen Blätter und betrachte es genauer. Die feinen weißen Äderchen schienen unter der Oberfläche angestrengt zu pulsieren, als ob das Blatt nach seiner Abtrennung ums Überleben kämpfe. Augenblicklich tat Aphadon es leid, das Blatt abgerissen zu haben.
Amrun sah aufmerksam zu.
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« Antworten #15 am: Februar 28, 2010, 21:37 »

„Ja, sogar in diesen alten Bäumen steckt noch Kraft. Eine Kraft die bereit ist für das Gute zu kämpfen“, er schwieg für einen kurzen Moment und beobachtete das gold-schimmernde Blatt „Der Tag an dem sich Sauron für seine Taten verantworten muss wird kommen und wir werden ihm keine Gnade zu Teil kommen lassen.“
„Glaubt ihr, dass wir den Sieg erringen können?“, fragte Aphadon und schaute dem Elben dabei in die Augen.
„Ich habe schon brenzligere Situation gesehen aus denen wir uns Seite an Seite wieder befreit haben. Sauron zwingt alle seine Feinde dazu sich zu verbünden. Seine Chancen sind genauso groß wie die unseren, es reicht schon das Gewicht einer Feder um die Wage umzukippen.“

„Weise sprichst du schon, Amrûn“, hörten beide eine Frauenstimme von der Seite. „Bald werde auch ich dir nichts mehr beibringen können“, sagte Galadriel und hatte dabei ein schmales Lächeln auf den Lippen. Der Elb verbeugte sich vor ihr, ihm schmeichelte das Kompliment sehr.
„Sag mir, wer ist dein junger Freund?“
„Dies ist Aphadon. Wir befreiten ihn aus den Kerkern von Isengart wo er zahllose Monate verbrachte, alleine und abgeschottet von der Welt.“
„Es freut mich, euch kennen zu lernen“, sagte die Elbe zu ihm und der Ostling verneigte sich.
„Amrûn“, setzte sie nun etwas besorgt an „ich habe Botschaft aus deiner Heimat erhalten. Ich muss mit dir sprechen und mit Celebithiel. Celeborn erwartet uns in den Gemächern. Würdest du sie bitte holen?“

Ohne zu antworten, machte sich der Elb auf den Weg. Er sah Celebithiel auf der Wiese sitzend. Sie war noch immer in ein Gespräch mit Antien vertieft und sie lachte aus ganzem Herzen. Nur ungern störte er diese Situation, denn so selten hatte er sie in den letzten Wochen fröhlich gesehen: „Celebithiel, wir müssen nach oben. Galadriel und Celeborn wollen mit uns sprechen!“

Ihre Miene wurde deutlich ernster als sie die Worte vernahm, aber ohne zu zögern, stand sie auf und ging den Weg voraus. Amrûn folgte ihr.
Aphadon, etwas verwirrt, stand am Treppenabsatz und beobachtete das Geschehen. „Wir sehen uns später“, warf ihm der Elb nur entgegen und schon eilten sie die Treppe hinauf.
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« Antworten #16 am: März 02, 2010, 18:48 »

Amrûn und Celebithiel erreichten einen verhältnismäßig großen Saal im Palast. Celeborn saß in einem bequemen Sessel, seine Hände lagen auf den Armlehnen. Galadriel stand anmutig neben ihm. Schon seit der Elb sie kannte, war die Herrin des Waldes seine Stütze gewesen.
„Herzlich Willkommen in meinen Hallen!“ begrüßte sie der Silberne.
Amrûn verneigte sich vor ihm, während Celebithiel zu ihm hinlief und ihm einen sanften Kuss auf die Wange drückte. Celeborn strich über die Schulter seiner Enkelin und deutete ihr ein Stück zurück zu treten: „Es war mir ein Wunsch unsere Pläne zuerst mit euch zu besprechen, denn seit langem nun reitet ihr mit Gandalf dem Weißen und wenn jemand seine Absichten deuten kann, dann seid ihr beide esl.“
Amrûn war etwas verwirrt, denn Mithrandir hatte ihnen niemals etwas über seine Pläne erzählt, geschweige denn über ihr nächstes Ziel: „Herr Celeborn, ihr müsst euch irren. Zu keiner Zeit teilte Mithrandir seine Absichten mit uns...“
„Niemals sprach Olorin über seine Gedanken und Ziele, denn er war weise und klug. Wir alle glauben sie nicht zu kennen, doch wir sind ein Teil davon und nur unsere Gedanken verhüllen unseren klaren Blick. Sie verbergen, wie ein dichter Nebel den Weg der vor unseren Füßen liegt und den wir nur Schritt für Schritt erkunden können.“, unterbrach ihn spontan Galadriel.

Celeborn strich über die Hand seiner Gemahlin und warf ihr einen vertrauten Blick zu, dann wandte er sich wieder zu den beiden: „Lange haben sich die Elben verborgen gehalten, doch nun ist es an der Zeit für Mittelerde zu kämpfen. Die Erstgeborenen stellen sich ihrem größten Feind entgegen und bieten ihm die Stirn. Glorfindel wird nach dem Winter den hohen Pass überqueren und nach Imladris ziehen um dort ein Heer zu sammeln. Sie werden nach Gondor gehen um mit den Menschen Rohans Seite an Seite zu kämpfen. Euch jedoch bitte wir einen anderen Weg einzuschlagen, einen weitaus wichtigeren. Dol Amroth die Stadt unserer Verwandten ist die letzte Bastion die den langen Fingern Saurons entgangen ist, sie versuchen noch durch Diplomatie eine Einigung zu finden, aber ich fürchte eine solche kann es nicht geben zwischen dem Guten und dem Bösen. Amrûn, begleite Celebithiel nach Mithlond, von dort werden wir euch entsenden in die fernen, dunklen Gewässer des Südens; in die Schwanenstadt.“
„Werden wir alleine gehen?“, fragte Celebithiel.
Galadriel sah auf ihre Enkelin: „In Edhellond lebten einst unsere Freunde, doch nun wurde der Hafen eingenommen und alle Überlebenden flohen. Dol Amroth ist unsere letzte Hoffnung in der geschlossenen Front Saurons. Die Menschen dort werden viel Mut brauchen und viel Hoffnung, die du ihnen schenken kannst. Ich werde Cirdan bitten dich zu begleiten, mit einer Flotte größer und mächtiger als alle anderen in den letzten Jahrhunderten. Es ist an der Zeit, dass sich die Elben ihrer letzten Schlacht gegen Sauron entgegenstellen. Er soll sehen, dass der Mut der Eldar noch nicht erloschen ist und dass keine Hoffnung für uns verloren scheint.“
Amrûn musterte Celebithiel. Sie stand etwas wackelig auf den Beinen und ihre Haut wurde noch blasser als sonst, er bemerkte die Überforderung, die diese Aufgabe mit sich brachte und er sah Narya an ihrem Finger. Leblos hing die Hand Richtung Boden und zerrte an ihr.

Ob Celebithiel diese Bürde erträgt? Galadriel erhob sie zu der lodernden Flamme in einem Raum, der von der Dunkelheit verzehrt wurde. Ein solch schweres Schicksal muss sie tragen, ohne Hilfe; ohne Freunde? Cirdan wird ihr sicherlich beistehen, aber er kennt sie nicht, nicht so wie ich...


„Herrin! Bevor ihr die Taube nach Mithlond losschickt, möchte ich gerne einen Brief mitschicken“, sagte Amrûn.
Galadriel nickte ihm zu und wandte sich zu Celeborn.
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« Antworten #17 am: März 14, 2010, 14:27 »

Amrûn saß in einem kleinen Raum des Palastes. Vor ihm lag ein leeres Blatt Pergament. Er musterte es lange, bewunderte die eingeprägten Lorienblätter die durch ein blasses Grün hinterlegt waren.
Lange grübelte er in seinen Gedanken, bis er schließlich nach der Feder griff, die neben seiner Hand lag:

Meine geliebte Aratinnuíre,

Lange Zeit bin ich schon von dir getrennt und groß ist meine Sehnsucht dich zu sehen. Wenn ich nur daran denke dich schon bald wieder in meinen Armen zu halten, dein Haar auf meinen Wangen zu spüren, möchte ich sofort bei dir sein. Der Schnee aber verwehrt mir den Weg einzuschlagen.
Im Frühjahr, sobald der hohe Pass wieder offen ist, überquere ich die Nebelberge und komme zu dir. Dann endlich bin ich bereit, meine Vergangenheit ruhen zu lassen, um für immer bei dir zu sein; an deiner Seite in Valinor.

Der Abschied wird mir so schwer fallen wie dir, aber ich blicke einer Zukunft entgegen, die weit aus schöner sein wird als alles bisher erlebte.

In Liebe,
dein Amrûn


Der Elb setzte die Feder ab und betrachtete nochmals sein Werk. Immer wieder las er es durch und blieb bei den Worten „an deiner Seite in Valinor“ hängen.

Valinor, endlich nach Valinor... weit ab von Krieg und Dunkelheit, geborgen unter den schützenden Händen Manwes und unter den Sternen Vardas. Nach zahllosen Jahren hier in Mittelerde, habe ich endlich abgeschlossen und bin bereit einen neuen Weg zu gehen. Aratinnuíre...

In Gedanken versunken, rollte Amrûn das Pergament zusammen und verschnürte es behutsam. Er ließ den Brief, wie mit Galadriel abgemacht, einfach liegen und verlies den Palast.
Celebithiel war verschwunden, sie hatte sich wohl ein ruhiges Plätzchen zum ausruhen gesucht. Der Elb ging langsam die Treppen zum Waldboden hinab, wo er auf Aphadon traf. Seine Augen waren geschlossen, doch er schien nicht zu schlafen. Beinahe lautlos setzte sich Amrûn neben ihn.
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« Antworten #18 am: Mai 15, 2010, 23:19 »

Die Zeit zog über das Land hinweg, ohne dass es die Elben und Menschen Lothloriens bemerkten. Der Februar neigte sich den letzten Tagen zu und er war erstaunlich mild dieses Jahr.
Amrûns Drang endlich wieder nachhause zu kommen und es brodelte in ihm das Verlangen seine Geliebte Elbe wieder zu sehen. Doch mit jedem Tag an dem es wärmer wurde, rückte auch der Abschied näher. Amrûn liebte Lothlorien, hier lag alle Macht der Elben hier lebte die wunderschöne Galadriel unter den prachtvollen Blättern der Mallornbäume. Was ihm aber noch größere Sorgen machte, war die Tatsache, dass Celebithiel wieder gehen musste und ihr fiel es noch tausend Mal schwerer. Seit jenem Kampf im Orthanc mit dem Mund Saurons verging ihre Lebendigkeit und Heiterkeit. Der Elb erwischte sie oft dabei, wie sie ziellos in die Ferne schaute, wie sie den Tränen nahe alleine in stillen Räumen herum lungerte. Etwas beschäftigte sie und machte jeden Anflug von Glück zunichte.

Mit den wärmer werdenden Tagen, beschloss er langsam Abschied zu nehmen. Von Menschen die er kennen gelernt hatte, von Elben die er schon ewig kannte und von Freunden, die, wenn sie auch nicht antworten konnten, noch immer hier waren; er nahm Abschied von Gandalf.

Mit dem Ziel in den Augen schritt er eine Treppe hinunter. Sie führte über eine mächtige Wurzel hinweg in einen kleinen abgelegenen Garten. Hier lag der weiße Zauberer. Sein Körper war nach wie vor auf die zierlichen Blüten der goldenen Elanor und der silbernen Niphredil gebettet. Seine Haut war so blass wie sein Gewand und seine Augen fest geschlossen.

„Guten Tag, alter Freund!“, begrüßte er ihn „immer noch liegst du hier, versunken im tiefen Schlaf und lässt dir kein Zeichen von Leben abringen. Wie sehr fehlst du uns und unserer Gemeinschaft: Antien; Du wirst bemerkt haben, dass er jeden Tag zu dir kommt. Er wäscht dir dein Gesicht mit dem Tuch und er erzählt dir Geschichten. Ich liebe seine Erzählungen aus dem alten Wald. Wer hätte gedacht, dass Tom ein so leichtlebiges, humorerfülltes Leben führt... Nunja, nicht mal er konnte dir bisher ein Schmunzeln von deinen Lippen stehlen.“
Amrun legte seine Hand auf die Brust des Zauberers: „Und jetzt steh ich hier bei dir und rede, obwohl ich nicht mal weiß ob du zuhörst. Gandalf; du hast mich verunsichert. Das du all den Bürden nachgegeben hast, hat alle deine Mitstreiter verunsichert. Können wir ohne deine Unterstützung dennoch siegen? Du warst die Spitze des Pfeils, der sich in den Feind gebohrt hat und ihn langsam getötet hat. Du allein warst es, aber...“ Die Worte die folgten waren schwer für Amrûn auszusprechen: „Es ist für mich nicht mehr von belangen. Meine Zeit hier ist nun vorüber. Ich weiß nicht ob dein Fall das Fass zum überlaufen gebracht hat oder ob der Grund viel tiefer in mir schlummert; Ich werde fortgehen, für immer. Aratinnuire und ich wollen nun endlich, nach so langer Zeit in Valinor glücklich werden. Mein Kampfgeist ist erloschen, ich habe nichts mehr wofür es sich hier zu kämpfen lohnt, nicht mal dich.“

Der starke Elb war nun auch schon den Tränen nahe. Er mochte keine Abschiede weder von Gandalf, noch von Lorien, noch von Mittelerde selbst.

„Aber weißt du wer dich am meisten von uns allen vermisst? Ja, Celebitiel genau. Für sie warst du der Fels in der dunklen Brandung. Ein Lichtblick am Ende einer langen, dunklen Zeit. Du bist gegangen, ihr Herz ist zerbrochen und du versuchst es noch zu heilen, indem du ihr Narya gibst. Ein mächtiges Geschenk, für eine mächtige Kriegerin. Ich hoffe es hilft ihr, denn in ihrem Herzen bildete sich eine große Schlucht in deren Tiefe sie nun gefangen ist. Wird sie diese Verantwortung übernehmen? Ich hoffe es, denn ich kann ihr nicht helfen.“

Amrûn strich ihm noch einmal über seine kalten Hände. Die Falten darauf waren zäh und versteift. Er nahm eine silberne Blüte und drehte sich um. Galadriel stand auf der Treppe, ihr Gesicht verschwand im Schatten der Kapuze. Sie sagte kein Wort während Amrûn neben ihr die Stufen hinauf stieg. Bevor er verschwand drehte er sich um und sprach zu ihrem Rücken: „Ich zweifle nicht an seiner Entscheidung, niemals würde ich dies tun. Aber...“, er setzte kurz ab und wartete eine Reaktion ab. Die Elbe stand bewegungslos da. „Aber ich sehe wie Celebithiel zerbricht.“
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« Antworten #19 am: Mai 16, 2010, 11:02 »

Stirnrunzelnd beobachtete Aphadon, wie Amrûn entrückt mit dem leblosen Alten auf dem Boden sprach. Der junge Mann lehnte sich nachdenklich gegen einen dünnen, doch nichtsdestotrotz kräftigen Baumstamm und beobachtete den Elb bei seinem Gespräch. Er trug nun ein sauberes, weißes Wams und eine bequeme, weite Leinenhose, die man ihm mit den besten Wünschen übergeben hatte, hatte sich die Haare waschen und schneiden lassen und sah alles in allem gepflegter aus, als jemals zuvor.
"...du versuchst es noch zu heilen, indem du ihr Narya gibst. Ein mächtiges Geschenk, für eine mächtige Kriegerin. Ich hoffe es hilft ihr, denn in ihrem Herzen bildete sich eine große Schlucht in deren Tiefe sie nun gefangen ist. Wird sie diese Verantwortung übernehmen?"
Beim Tonfall des Elben streubten sich Aphadon die Nackenhaare, nicht aus Furcht, sondern aus einer seltsamen distanzierten Verwunderung heraus, die in oft ergriff, wenn er anderen Personen bei einer besonderen Tätigkeit zusah.
Amrûns Tonfall war sehr weich, als ob er nicht wünschte, den blassen Greis mit seinen Worten zu verletzen, aber dennoch lag in ihnen eine Bestimmtheit, die Aphadon beeindruckte- aber auch verwirrte. In den letzten Tagen, die Aphadon äußerst vergnüglich mit einigen Wanderern aus dem Norden und verschiedenen Elben verbracht hatte, war ihm die immer ernstere Haltung Amrûns aufgefallen. Stocksteif wanderte er auf den verschlungenen Pfaden durch den Goldenen Wald, allein. Von seiner früheren Begleiterin, die Aphadon im Feldlager bei Isengart kennengelernt hatte, hatte er schon länger nichts mehr zu Gesicht bekommen.
Amrûn erhob sich aus seiner gebeugten Lage und eilte nach einem letzten,, traurigen Blick auf den alten Kerl unter ihm, den schmalen Weg entlang. Aphadon riss sich aus seinen Überlegungen, sprang auf und rannte dem Elben hinterher. Er hatte Mühe, Amrûn einzuholen, doch als er dies geschafft hatte, legte er dem Elben, der etwa einen Kopf größer war als der Mensch, eine Hand auf die Schulter und sagte: "Wo dachtest du, komst du ohne mich hin?"
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manana
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« Antworten #20 am: Mai 18, 2010, 21:29 »

Amrûn erschrak als ihn die unbekannte Hand von hinten fasste. Mit einem Satz drehte er sich um und blickte in die Augen Aphadons, seine Frage drängte sich gerade zu auf.

Einen Moment lang gab der Elb keine Antwort. Er wollte, Amrûn wollte ihm alles sagen über seine Reise nach Imladris, Mithlond und seine endgültige Reise nach Valinor, in ein Land in das ihm kein Mensch folgen könnte. Aber er schwieg. Der Augenblick war noch nicht gekommen.

„Vorerst werde ich Celebithiel suchen. Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen. Kommst du mit?“
Der Mensch nickte ihm zu. Nebeneinander gingen sie zwischen den pompösen Stämmen der Mallornbäume entlang. Sie folgten einem schmalen Pfad zu einer Lichtung. Kein Mensch war zu sehen.
„Aphadon, etwas habe ich mit dir noch gar nicht besprochen“, setzte der Elb an „Hier in Lothlorien ist es zwar schön, doch ewig werden wir nicht bleiben. Nein ganz im Gegenteil sogar, die Abreise rückt schon in greifbare Nähe, die Pässe des Nebelgebirges werden bald frei von tosenden Schneestürmen sein. Wie sieht euer weiterer Plan aus? Ihr seid ein Mann des Ostens, geht ihr zurück in eure Heimat, oder werdet ihr hier bleiben? Wollt ihr euch uns weiterhin anschließen und uns in unbekannte Gefilde folgen?“
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« Antworten #21 am: Mai 19, 2010, 16:37 »

Bei den Worten des Elben kniff Aphadon die Augen zusammen, als wäre er zuvor über heiße Kohlen gelaufen. "Ich habe meine Vergangenheit hinter mir gelassen. Sie ist für mich nicht mehr greifbar, sie bremst mich nur noch, und nachdem ich mich seit langer Zeit immer mehr von ihr distanziert habe, habe ich mich von ihr getrennt. Nerblog... er existiert nicht mehr."
Aphadon legte eine kurze Pause ein und warf einen raschen Blick in die Tiefen des Waldes jenseits des schmalen Pfades. In diesem Teil Lothloriens wuchsen zwischen den Bäumen kaum Sträucher; der Boden war fast ausschließlich mit kniehohem Gras bedeckt, was eine für einen Wald unglaubliche Weitsicht unter den Baumkronen erlaubte. Aphadon blieb kurz stehen und betrachtete fasziniert den Wald. Amrûn wartete geduldig.
Schließlich drehte Aphadon sich langsam herum und sah in die tiefblauen Augen des Elben.
"Celebithiel half mir dabei. Ich werde sie mit euch suchen gehen. Ich möchte mich bei ihr bedanken."
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« Antworten #22 am: Mai 27, 2010, 20:28 »

Amrûn schmunzelte während die beiden die Pfade entlang gingen. "Wenn ich eines gelernt habe in der langen Zeit in der ich nun schon lebe, dann dass es viel zu wenig gibt, was man tatsächlich hinter sich lässt und viel zu viel, dass dich wieder einholt. Elrond sagte einst zu mir, dass man Menschen an ihrer Geschichte misst, an ihren Taten, an ihrer Familie. Sie verrät uns, wie sich Personen verhalten werden und wie sie sich entwickeln. Aber mache dir darüber keine Gedanken. Hier bist du Aphadon, ein Mann des Ostens. Was in ferner Zukunft passiert ist jetzt nicht von belangen.“
„Hast du nichts in deinem Leben was du bereust, was du verdrängt hast?“, fragte der Mensch.
„Wer hat dies nicht? Aber ich mußte damit leben, ich habe mich den Geistern meiner Vergangenheit gestellt und ihnen die Stirn geboten. Zumindest habe ich es früher gemacht, aber schließlich haben sie mich doch überrannt“, in Amrûns Stimme versteckte sich schwerer Kummer.
„Du sprichst doch nicht etwa hiervon oder?“, sagte Aphadon und zeigte mit seiner Hand auf das Heft des Schwertes und zog es behutsam aus der Scheide, so daß die elbischen Runen sichtbar wurden.
Der Elb musterte es gründlich: „Ja, das Schwert. Ein Relikt meiner Vergangenheit. Weißt du Aphadon, einst bekam ich es vom letzten Hochkönig der Noldor. Es war ein Geschenk für eine siegreiche Schlacht, lange bevor du geboren wurdest. Gil-Galad hat mir das Leben gerettet.“ Amrûn strahlte bei dem Gedanken an die altvordere Zeit in Mithlond.
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« Antworten #23 am: Juni 19, 2010, 21:15 »

"Gil-Galad", wiederholte Aphadon. Der Tonfall, indem Amrûn den Namen ausgesprochen hatte, machte dem Menschen klar, dass es sich dabei um eine bedeutende Persönlichkeit in der Geschichte der Elben und Mittelerdes handeln musste. So bedeutend, dass Aphadon sich schämte, nichts über ihn zu wissen. Bei einer Kindheit, in der die einzigen Informationen über die Elben und ihre Vergangenheit verworrene Hassreden übellauniger Prediger am Galgenplatz Gortharias gewesen waren, kein Wunder. Dennoch war es Aphadon unangenehm.
Die Noldor, Hochkönige, Gil-Galad...
Nichts davon sagte ihm etwas... nur vom Wort "Noldor" meinte er schon etwas gehört zu haben. Eine uralte Art der Elben, Licht- oder Hochelben genannt. Woher er das gehört hatte, wusste er nicht.
Um einem beschämendem Gespräch auszuweichen, sah Aphadon Amrûn in die Augen und sagte: "Sag, Amrûn, wie alt seid ihr eigentlich?"
« Letzte Änderung: Juni 19, 2010, 22:00 von Tom Bombadil » Gespeichert

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« Antworten #24 am: Juni 19, 2010, 21:43 »

„Ja, das ist eine gute Frage mein lieber Freund. Lange schon habe ich aufgehört zu zählen. Denn was spielen Jahre für eine Rolle? Sie zeigen dir nur wie lange wir nun schon alleine sind, wie lange wir von unserer Heimat getrennt sind, oder wie viel Zeit schon ungenützt verstrichen ist. An jenem Tag als die ersten Sonnenstrahlen die Berggipfel streichelten, schenkte auch meine Mutter mir das Leben und seit dem bin ich hier. Gezeichnet von Kriegen, Verlust und Schwäche.“

Einen Moment lang hielt er inne. Der Elb vergrub sich in seinen Gedanken und lies nichts an sich heran. Sorgenfalten breiteten sich auf seiner Stirn aus, aber dann folgte ein Lächeln – zaghaft und doch unerschütterlich. „Aber viel zu oft vergessen wir die guten Seiten des Lebens: die Liebe, die Freundschaft unsere Heimat. All das was uns wirklich ausmacht. Ich freue mich schon auf die grauen Anfurten, da ist meine wohlgeborgene Heimat. Warst du schonmal so weit im Westen?“
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« Antworten #25 am: Juni 19, 2010, 22:08 »

"Wo denkt ihr hin? Der westlichste Punkt, an dem ich je gewesen bin, sind wohl die Minen Isengarts... Aber ich hoffe, das wird sich bald ändern." Aphadon lächelte zuversichtlich und hob den Kopf. Einige Sonnenstrahlen lugten durch das glitzernde Blätterdach und kitzelten seine Nase. Er verkniff sich ein Niesen und fuhr fort.
"Für euch Elben mag die Zahl eurer verstrichenen Lebensjahre keine Bedeutung haben, doch für uns Menschen hat sie das sehr wohl- unsere Zeit auf Erden ist begrenzt, und das Alter ist ein wichtiges Maß, um sein Gegenüber einschätzen zu können. Ich bezweifle, dass das Alter für euresgleichen eine so entscheidende Rolle spielt."
Aphadon seufzte kurz.
"Und darum beneide ich euch."
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manana
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« Antworten #26 am: Juni 20, 2010, 00:06 »

"Beneiden...", fragte der Elb unglaubwürdig "Beneiden!"
Über ihnen glitten die Wolken hinfort während die immer stärker werdene Sonne ihre Lichtstrahlen durch die noch dicht belaubten Kronen der Mallorn warf. Baum für Baum liesen sie hinter sich auf der schier endlosen Suche nach ihrer Weggefährtin.
"Ihr wisst nicht wie es ist so viele Jahre zu überdauern. Während unsere glanzvolle Jugend noch Heil scheint, beginnt die Zeit bereits Spuren zu hinterlassen. Wir entdecken alle Facetten des Lebens. Und während wir jung bleiben, altern unsere Freunde und scheiden dahin. Und deren hochgeachtete Nachfahren aus Stolz und Neid zum Feinde geworden, werden von den tosenden Wogen des Meeres verschlungen. Die Zeit vergeht, Kriege kommen und gehen und während wir unser Leben fristen, nagt der Kummer am uns. Bis zu dem Zeitpunkt an dem wir den Wundern Mittelerdes überdrüssig geworden sind. Der Weg führt uns zwar weiter, doch mit dem Wissen auch dort eines Tages der Welt müde zu werden und zu verenden. Es mag reizvoll klingen unsterblich zu sein, doch dies täuscht. Ihr Menschen werdet nicht vor diese Entscheidung gestellt, sie wurde euch einfach auferlegt."

Amrûns Hände wurden zittrig bei den negativen Gedanken die ihn übermannten. Er beschwor eine Zukunft die ihn eines Tages erwarten würde, egal ob er wollte oder nicht. Aratinnuíre war seine einzige Rettung.
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« Antworten #27 am: Juni 20, 2010, 11:53 »

Aphadon sah kurz zu Boden, um nachzudenken. Er glaubte, zu verstehen, wovon Amrûn sprach, doch vollends nachvollziehen konnte er dies nicht. Sicher musste es schwer sein, zu sehen, wie langjährige Freunde im ewigen Kampf gegen das Böse dahingerafft werden oder, im Falle eines Menschen, einfach entschliefen; und all dies wissend, ewig mit dem Schmerz dieses Verlustes leben zu müssen.
Sahen die Elben den Tod also als eine Art Erlösung? Unwahrscheinlich, dachte Aphadon. Aber das hing von der Vorstellung der Elben ab, was nach dem Tod käme. Doch der Mensch bezweifelte, dass er das begreifen könnte.
Viel mehr interessierte ihn Amrûns Vergangenheit. Aphadon wollte jedoch vermeiden, den Elben erneut melancholisch zu stimmen, und fragte nach jenem Teil seiner Vergangenheit, das ihn scheinbar als einziges zu erheitern vermochte.
"Erzählt mir von diesen Grauen Anfurten!"
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« Antworten #28 am: Juni 20, 2010, 13:33 »

„Die grauen Anfurten. Mithlond in unserer Sprache ist meine Heimat. Einst gründete sie Cirdan der Schiffbauer. Er ist wohl älter als alle anderen Elben Mittelerdes und weise. Aber stets war er an die Meere gebunden genau wie ich. Der Ort wird dir gefallen Aphadon. Tagtäglich fallen die wärmenden Sonnenstrahlen über die östlichen Hügel und werfen die Stadt an den Ufern des Meeres in tausende verschiedene Farben. Man schmeckt die salzige Luft und erfreut sich an dem im Wind spielenden Haar. Im Frühjahr blühen die alten Kirschbäume die zahlreich an den Hängen der abfallenden Küste seit Jahrhunderten wachsen. Wie feiner Schnee bedecken die Blütenblätter die Straßen und Häuser bis in die frühen Sommertage. Und Abend für Abend genießen wir bei schönen Festen und Traditionen die unter dem Horizont verschwindende Sonne. Ein Ort, so zauberhafter wie Lothlorien selbst, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Du wirst sehen wie es dort ist. Am Westende von Mittelerde hat Sauron noch keine Macht, dort ist die Welt noch in Ordnung. Ich hoffe du wirst dich von dort wieder fortreißen können“, sagte Amrûn lächelnd. Er mochte es über seine Heimat zu reden. Es gab ihm ein Gefühl von Geborgenheit und viele alte Erinnerungen wurden bei den Gedanken entfacht.

„Früher war dies nicht so. zweimal schon standen Eriador und vor allem Lindon an den Fronten. In der ersten Schlacht zog ich mir meine wohl schwerste Verletzung zu. Mein Arm, gespalten vom Speer eines Trolles, und seit dem unbrauchbar.“

Vorsichtig hob der Elb den rechten Ärmel seines Hemdes und offenbarte seine Narbe. Sie war niemals schön verheilt, aber wenigstens konnte er sie unter seinem Gewand verstecken.
„Dank diesem überragendem Sieg und der Vertreibung von Sauron aus dem Westen, überreichte mir mein König dieses Schwert. Die Runen darauf erzählen heute noch diese Geschichte.“

Mit dieser Geschichte verflogen die schrecklichen Gedanken an die Zukunft des Elben. Gloreich waren die Tage seiner Vergangenheit.
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« Antworten #29 am: Juli 27, 2010, 21:37 »

Für einen Moment dachte Amrûn daran, das Schwert mit nach Valinor zu nehmen. Als Erinnerung und als Erbstück. Es war einzigartig in seinem Charakter. Andererseits, verband er damit auch unangenehme Gefühle, kaum zu ertragen in einer perfekten Welt. Er schüttelte den Kopf um den Gedanken wieder zu verwerfen. Zu lange schon grübelte er in der Vergangenheit, aber es war nun viel wichtiger an die Zukunft zu denken.

Ein leichter Frühlingsregen war nun eingetreten und befeuchtete die Haut der beiden. Ihre Schritte wurden schneller und sie suchten Schutz unter einer der gold-braunen Kronen. Sie verfolgten das Schauspiel der Natur, wie der Regen stärker wurde und die Wiese vor ihnen leicht überflutete, wie der Dunst über den Boden kroch und langsam die oberen Luftschichten erklomm. „Früh kommt heuer die Wärme zurück. Die ersten Frühlingsschauer ziehen über das Land und es ist erst Ende Februar. Es ist ein eigenartiges Jahr, ein grauenvolles aber prägende…“, Amrûns Stimme stockte. Vor sich glaubte er etwas zu sehen; tatsächlich, die verschwommenen Umrisse einer Person. Zuerst unscharf, doch dann immer klarer werdend. Eine Elbin, deren Gesicht ihm vertrauter war als vieles andere was er die letzten Monate wahrgenommen hatte, es war niemand anderer als Celebithiel.

Einsam stand sie im Zentrum der Lichtung. Ihre Haare waren nass und ihre Kleider klebten an der weichen Haut. Ihr Blick war leer.
Ohne jegliches zögern und ohne an den Sturm zu denken rannte er zu ihr. „Amrûn!“, schrie Aphadon noch überrascht, doch der Elb lies es hinter sich. Nicht einmal einen halben Meter vor ihr, hielt er an und sah auf ihr durchnässtes Haar.

Aber ich sehe wie Celebithiel zerbricht – erinnerte sich Amrûn an die Worte die er zu Galadriel sagte.
„Du bist ganz nass“, begann er mit ihr zu sprechen.
Ihr Blick fokusierte sich und versteifte sich nun ganz auf den Elben. In ihren Augen sah er nun die gleiche Trauer und den gleichen Schmerz den er auch schon bei Galadriel wahrgenommen hatte.
„Du bist ganz durchnässt“, wiederholte er verzweifelt.
„Ich weiß“, antwortete sie „Du auch!“ Ein gezwungenes Lächeln huschte über ihre Lippen.
„Ich weiß es. Was machst du hier ganz alleine?“
„Ich warte“
„Und worauf?“
„Dass endlich etwas geschieht; dass sich die Wellen meiner Entscheidungen ausbreiten.“
„Wovon sprichst du, Celebithiel?“, frage er. Er konnte nicht eindeutig ausmachen, ob sein Gegenüber weinte. Die Regentropfen die ihre Wange hinunter kullerten ließen es ihn nicht erkennen „Was hast du getan?“. Mit beiden Händen packte er sie an den Schultern.
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« Antworten #30 am: Juli 28, 2010, 11:34 »

Interessiert betrachtete Aphadon die beiden Elben, doch selbst auf die kurze Distanz, die ziwschen ihnen lag, konnte er nur Schemen durch den immer noch stärker werdenden Regen erkennen. Im Schutze des Baumes, unter dem Amrûn  und er gestanden hatten, hatten sie nur wenige Tropfen abbekommen,d ie durch das dichte, goldene Blätterdach gesickert waren, doch nun würde Amrûn einige Zeit brauchen, um seine Kleidung trocken zu bekommen.
Amrûn.... Der Elb wurde Aphadon immer suspekter. Häufig sprach er in Rätseln, machte vage Andeutungen darauf, dass er bald irgendwohin  gehen würde, über ein Meer nach Westen.
Dennoch: Amrûn war der einzige, der Aphadon hier im Goldenen Wald zum Anfang ihres Aufenthalts unterstützt und mit ihm gesprochen hatte, und dafür und für seine Begleitung seit den Geschehnissen in Isengart im letzten November war Aphadon ihm sehr dankbar.

Eine ruckartige Bewegung riss Aphadon aus seinen Gedanken: Es schien so,als rüttele Amrûn Celebithiel an den Schultern. Stritten die beiden etwa? Ihn überkam ein jähes Gefühl der Neugierde und machte ein paar Schritte auf die Elben zu.
Er hörte Amrûn eindringlich auf die Elbe einreden. "Was hast du getan?"
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manana
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« Antworten #31 am: August 01, 2010, 21:21 »

Sie spürte wie Amrûns kräftige Hände ihre Schultern packten. Sie spürte wie der Regen in unaufhörlicher Masse auf sie niederprasselte. Sie spürte Aphadons Blick, der sich in ihren Rücken bohrte, wie ein Schwert in der Dunkelheit. Sie spürte Amrûns Griff und wie er anfing sie zu schütteln, als sie stumm blieb. Das alles spürte sie. Es waren kurzlebige und temporäre Gefühle. In ihrem Inneren dennoch blieb es leer und stumm und ihr Herz ward in Dunkelheit gehüllt.
Celebithiel blieb weiterhin stumm und so ließ Amrûn von ihr ab. Er musterte sie noch eine Weile mit seinen gütigen Augen, die versuchten so viel Mitleid und Verständnis wie möglich aufzubringen. Celebithiel stand jedoch nur da und als sich die beiden zum gehen wenden wollte, da fing Celebithiel zum Lachen an. Sie lachte so herzlich und herzzerreißend zugleich, dass Aphadon und Amrûn sich irritiert anblickten und nicht wussten, was sie tun sollten.
Die silbergekrönte Elbenmaid strich sich das klatschnasse rotblonde Haar hinter die Ohren und sank auf die Knie, während sie weiterhin unaufhörlich lachen musste. Keiner der anderen vermochte sie zu rühren, so verdutzt waren sie vom Verhalten der Elbe. Einzig Amrûn schaffte es sich nach einer Weile aus seiner Starre zu lösen und hob Celebithiel hoch und nun sah er, dass ihre Augen ganz verquollen vom Weinen waren. Sie vergrub sein Gesicht in seiner Brust und Amrûn trug sie hinauf in die Gemächer Galadriels und Celeborns und bettete sie auf weichen Kissen und legte sich neben sie. Tröstend fuhr er ihr durchs Haar und stimmte ein Lied an und verweilte neben ihr bis sie eingeschlafen war und das Schluchzen erloschen war.
Amrûn pustete die Kerzen aus, die ihr Gemach erleuchtet hatten und trat hinauf auf den Flur, wo Celeborn in einer weißen Kutte auf einem Sessel ruhte. Behutsam sagte er, „ Ich denke dir Amrûn, für alles was du für sie getan hast. Es sind wahrlich schwere Zeiten durch die sie gehen muss.“
„ Schwere Zeiten? Das ist gar kein Ausdruck für die Bürde, die Gandalf ihr auferlegt hat“, erklang eine Stimme, die distanziert klang, und Amrûn wandte sich erschrocken um und erkannte die schemenhaften Umrisse Galadriels, die in einer dunklen Ecke des Raumes vom Schatten verschluckt wurde. „ Ihr alle könnt nicht verstehen, was in ihr vorgeht. Einzig ein Ringträger kann nun ihren Schmerz fühlen. Den Schmerz den sie durchlebt hat und noch durchleben wird.“
„ Aber was ist nun mit ihr? Von welchen Entscheidungen redet sie?“, durchbrach Amrûns Stimme, die ein wenig erzürnt ob Galadriels distanzierter Haltung klang, die monotone Stille. Ohne ein weiteres Wort streckte Galadriel ihre Handfläche aus und auf ihr offenbarte sich im dumpfen Licht ein Ring, der mit einem feuerroten Rubin besetzt war.
„ Sie hat sich gegen Narya und gegen ihre Bürde entschieden, Amrûn. Sie gab mir den Ring, da sie ihn nicht länger tragen möchte. Sie will in den Westen segeln, die unsterblichen Lande aufsuchen.“ Und schlagartig gewann Galadriels Stimme Farbe und überschlug sich, umso länger sie redete. „ Sie verlässt Mittelerde. SIE! Sie hat noch lange nicht den Schmerz durchlebt, den ich durchleben musste. Sie existiert erst seit kurzer Zeit, während ich mein Leben lang mich danach sehne, endlich nach Valinor zurückzukehren. SIE verlässt uns. Sie macht das, was ich nicht tun kann und hinterlässt mir eine weitere Bürde.“
Und schluchzend ging Galadriel zu Boden und ihr Gemahl sprang sofort auf, um seine Frau wieder aufzurichten. Amrûn, der von Galadriels Worten irritiert war, verließ die beiden ohne ein weiteres Wort und rannte hinaus in die Dunkelheit. Er stand oben auf einen Flett und blickte in die unendliche Weite des goldenen Waldes. Die Regentropfen vielen in Massen hinab, wie die Tränen der Valar, die um Celebithiel, die silbergekrönte Elbenmaid, trauerten.

Der nächsten Morgen war von zärtlichen, warmen Sonnenstrahlen durchdrungen und Celebithiel trug ein schneeweißes Kleid und kniete neben Gandalfs Bahre auf dem saftig grünen Boden. Sie hielt eine einzelne, weiße Lilie in der Hand, an der sie genüsslich schnupperte. Eine weitere hatte sie sich ins Haar gesteckt und liebevoll strich sie mit der Lilie über Gandalfs Körper, der dort friedlich ruhte.
„ Ach Mithrandir, was würde ich nur für deinen Seelenfrieden geben. Ich finde hier keinen mehr…“. Fast panisch blickte sie sich um, als sie Amrûn und Aphadon erblickte, die die schmalen Stufen zu ihnen herunterstiegen. Celebithiel verstummte und stand nicht auf. Sie schaffte es auch kaum Amrûn in die Augen zu sehen, da sie ansonsten wohl wieder in Tränen ausgebrochen wäre. Nach einem Moment des peinlichen Schweigens, richtete sie sich auf und sagte mit belegter Stimme:
„ Es tut mir leid Amrûn. Ich kann dir nicht lange Lebewohl sagen. Mir fällt es schon schwer überhaupt zu sprechen. Die Worte…die Worte-“. Aber Amrûn umarmte sie einfach und vergab ihr zu verstehen, dass er verstand. Er küsste sie auf die Stirn und flüsterte ihr ins Ohr, „ Wir finden uns. Wir werden uns immer finden!“
Nachdem er sich von Gandalf verabschiedet hatte und die Stufen hinaufsteigen wollte, um sich auch noch von Galadriel und Celeborn zu verabschieden schrie Celebithiel: „ Halt!“ Amrûn drehte sich schlagartig um und empfing die weiße Lilie, die Celebithiel aus ihrem Haar genommen hatte. Sie erwiderte seinen Kuss und beobachtete, wie er und Aphadon die Stufen hinaufstiegen.

„ Passt gut auf sie auf“, sagte er zu den Herren des Lichtes. „ Soll ich Narya nun zurück zu Cirdan zu den grauen Anfurten bringen?“ Galadriel schüttelte den Kopf und ihr goldenes Haar reflektierte das Sonnenlicht.
„ Ich verwahre ihn…für sie! Sie wird die Dunkelheit überwinden…da bin ich sicher…nein ich weiß es!“
Und Amrûn verstand und lächelte, auch wenn er am liebsten weinen würde, wenn er daran dachte seine beste Freundin hier zurücklassen zu müssen. Er drehte sich ein letztes Mal um und erblickte Celebithiel, die nun wieder am Boden kniete und ihren Kopf auf Mithrandirs Brust gebettete hatte.
Eine einzelne Träne rann ihm über die Wange und wurde von einem aufmunternden Lächeln gefolgt.
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RPG:  Celebithiel verweilt in Lórien
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« Antworten #32 am: August 09, 2011, 17:23 »

Aus der Sicht Galadriels:


Das Schlafgemach der Elbenkönigin war lichtdurchflutet und winzige Staubteilchen tanzten durch die hereinfallenden Sommerstrahlen.
Galadriel war gerade dabei sich das Gesicht zu waschen und bürstete sich die goldenen Haare, welche sich wie Seide an ihrem Körper schmiegten. Ein Lächeln huschte ihr über die Lippen, als sie sah, dass eine kleine, schwarze Amsel durch das offene Fenster hinein geflattert kam und eine weiße Blume, vermutlich Simbelmyne, auf den kleinen Tisch vor Galadriel fallen ließ.
Behutsam streckte sie die langen, anmutigen Finger aus und schnupperte an ihr.
Celeborn, dachte die Elbe und war erleichtert wieder von ihrem Mann zu hören, seitdem er Lórien mit dem Elbenheer verlassen hatte, um  den Menschen in Aldburg beizustehen.
Sie selbst war im goldenen Wald geblieben, um den verbliebenen Elben und Menschen Hoffnung und Trost zu spenden. Die Befreiung Rohans im vergangenen Jahr hatte Euphorie hervorgerufen, die jedoch nicht lange angehalten hatte. Der Fall des Erebors und die rasche Rückeroberung des Düsterwaldes durch Khamûl trübten die Gedanken der Bewohner des Waldlandreiches. Es war nur eine Frage der Zeit bis die schaurigen Geisterhände des Nazgûl sich auch nach Lothlórien verzehren würden.

Galadriel streifte sich ein silbrig-graues Gewand über und stieg die Stufen ihrer Gemächer hinab, die ganz oben in Caras Galadhon waren. Eine laue Brise frischte auf und Galadriel verstand es als erste Anzeichen des nahenden Sommers.
„ Mae Govannen“, grüßte sie einige Elben, die ihren Weg kreuzten und sich demütig vor einer der ältesten Elben, die noch in Mittelerde verweilten, verneigten.
Zielstrebig führte ihr Weg, die hochgewachsene blonde Elbe, durch die Wege und Trampelpfade Lóriens. Der Wald schien wie leergefegt, denn nur wenige Lebewesen kreuzten ihren Pfad und sie war froh darum.

Das kühle Moos, welches die Steinstufen bedeckte hatte, kitzelte ihre nackten Füße und behutsam stieg Galadriel sie hinab. Vor ihren blauen Augen lag die flache Schale, die viele Galadriels Spiegel nannten.
Ihre Finger fuhren zärtlich über die Ränder der Schale aus edlem Metall. Feuchter Tau perlte an seiner Oberfläche und mit einer Mischung aus Trauer und Sehnsucht beobachte sie die wässrige Oberfläche.
„ Versuchen wir Rat in der Zukunft zu finden, Altáriel?“, ertönte eine ruhige und verträumte Stimme.
Galadriel wirbelte herum und erschrak sich beim Anblick des Zauberers, der auf einer Baumwurzel saß und gerade ein Eichhörnchen streichelte.
„ Bei allen Vala, Radagast, du hast mich fast zu Tode erschreckt“, entfuhr es Galadriel gereizter als sie es wollte, aber ihre Anspannung, die in den letzten Monaten stetig wuchs, war fast greifbar.
Entweder hatte sie der Istari nicht gehört, oder er ignorierte ihre Gereiztheit wissentlich und fuhr mit gewohnt ruhiger und verträumter Stimme fort.
„ Schreit die Elster dem Kaninchen zu, verändert sich der Lauf der Sterne im Nu!“.
Galadriel seufzte, denn so sehr sie Radagast mochte und sie seine Gesellschaft schätzte, so waren seine Worte für sie, selbst als eine der weisesten dieser Welt, oft ein Rätsel. Einzig Mithrandir war in der Lage gewesen sich stets einen Reim auf die Gedichte und Lieder des braunen Zauberers zu machen.
„ Das sich etwas verändern wird ist mir klar Radagast, doch mein Herz verzehrt sich nach der Frage, wie es ablaufen wird. Es bringt mich noch um den Verstand diese Unwissenheit…“, entgegnete Galadriel und ließ sich niedergeschlagen auf einen Steinsockel sinken, der in der Nähe des Spiegels stand.
Radagast, immer noch vollkommen auf das Eichhörnchen fixiert, dass voller Elan um und auf ihn herum hüpfte, antworte im ersten Moment nicht.
„ Schau dir dieses kleine winzige Lebewesen an. Es tollt herum, lebt wie es seinem Herzen beliebt“, fuhr Radagast mit einem Lächeln auf den Lippen fort, wodurch sich sein Gesicht in tiefe Falten legte.
„ Und dennoch…“, doch er verstummte, blickte auf, schüttelte den Kopf und sah die Elbe fragend an: „ Worüber haben wir gerade geredet?“.
Galadriel richtete sich auf, sichtlich genervt von diesem unbefriedigenden Gespräch und wandte sich zum gehen. Es schien dem Alten nicht einmal aufzufallen, als sie die Stufen hinauf schritt. Erst als sie die letzte hinter sich gelassen hatte, drang die Stimme des Zauberers zu ihren Ohren:
„ Vielleicht ist das dein Problem meine Liebe“, sprach Radagast, der sie nun ausnahmsweise direkt anblickte, „Vielleicht handelst du schon zu lange nicht mehr nach deinem Herzen!“.
Die Elbe nickte, auch wenn sie nicht wusste, wie ihr das helfen sollte und schlenderte zurück in Richtung Caras Galadhon.

Der Frühling war im vollen Gange, doch auch die blühenden Pflanzen und Gräser, die ihren Weg kreuzten vermochten Galadriels Stimmung nicht zu bessern. Sie nicht großartig beachtend hatte sie wieder ihr Gemach erreicht und ließ sich auf einen Stuhl auf einer der Plattformen sinken, von denen man große Teile des Waldes überblicken konnte.
Sie schloss die Augen, lehnte sich zurück und ließ sich von den Sonnenstrahlen einhüllen, die durch die Baumwipfel fielen.

„ Ein Schläfchen, dass Kummer und Sorgen vertreiben soll?“.
Im ersten Moment dachte die Elbe es wäre wieder Radagast, der ihr gefolgt war, um sie mit weiteren seiner Weisheiten zu verwirren, doch die Stimme die dort sprach kam ihr nicht bekannt vor. Sie war seltsam dunkel, als hätte sie lange kein Westron gesprochen und dennoch auf eine Weise anziehend und magisch, dass Galadriel voll Neugier die Augen öffnete.
Sie hätte aufgeschrien, wären ihre Augen nicht im ersten Moment von den Sonnenstrahlen geblendet worden, sodass sich ihr Gegenüber nur schemenhaft offenbarte.
Nach und nach trugen ihre hellblauen Augen die Informationen zusammen. Ein Mann, ungefähr in ihrer Größe mit langem gräulichem Haar, vollkommen in einem aquamarinblauen Mantel gekleidet saß ihr gegenüber. Seine Gesichtszüge waren schwer und irgendwie wirkte er müde. Seinen verwitterten, ebenfalls blauen Hut, hatte auf die Spitze seines Stabes gelegt, der an seinem Stuhl lehnte.
Der erste Gedanke, der Galadriel durch den Kopf schoss, als sich das Bild des Mannes vor ihren Augen verdeutlichte war, dass Gandalf ihr gegenüber saß. Jener jedoch lag schlafend, von Saruman betäubt, ein paar Räume weiter neben an.
„ Man hat viel über dich erzählt, Galadriel, Elbenkönigin des goldenen Waldes. Nichte Feanors. Bis in die äußersten Winkel des Ostens, hört man Geschichten und Sagen über die Macht, die Wut und die Schönheit deinerseits“.
Die Worte des Mannes schmeichelten Galadriel im selben Maß, wie sie sie verschreckten und ängstigten, doch sie war nicht in der Lage aufzustehen oder zu sprechen.
„ Aber ich bin nicht nach Lórien gekommen, um mit dir zu plaudern, obwohl es mir Aiwendil nicht gerade leicht gemacht hat. Er redet immer noch gerne und viel“, er machte eine kurze Pause und lachte, „…wenn auch nicht immer sinnvolles.“

Allmählich dämmerte es Galadriel und sie erinnerte sich an Erzählungen Mithrandirs und Curunírs über zwei weitere Istari, die noch Mittelerde entsandt worden waren, mit derselben Mission.
Galadriels Stimme klang seltsam trocken und belegt und so fragte sie: „ Ihr seid einer der Ithryn Luin, nicht wahr?“.
„ Pallando“, sagte der Istari, räusperte sich und machte eine gespielte Verbeugung vor Galadriel.



Die folgende Stunde verbrachten die beiden und Radagast damit über die Geschehnisse zu reden und zu diskutieren, die seit der verlorenen Schlacht am schwarzen Tor vor sich gegangen waren. Immer wieder versuchte Galadriel Informationen zu Pallandos Aktivitäten vor und während des Ringkriegs in Erfahrung zu bringen, doch geschickt wusste der blaue Zauberer das Thema zu wechseln und zu verdeutlichen, dass dies nicht Gegenständ und Thema dieses Gesprächs sein würde.
„ Aber nun sagt, warum seid ihr hier in Lórien? Was ist euer Begehr?“, sagte Galadriel und musterte Pallando scharf. Jener lächelte, lehnte sich zurück und legte die Fingerspitzen aneinander.
„ Nun denn, wenn die Herrin des goldenen Waldes nach dieser Antwort verlangt, werde ich sie ihr geben. Doch ob sie ihr gefällt, dessen bin ich mir nicht sicher.
Wie ihr sicherlich wisst ist Olórin von Saruman betäubt worden, er hat ihn seinen Stab gestohlen und somit fast gänzlich seine magische Macht zurückerlangt!“
Galadriel nickte, während Radagast sich den Spatzen zugewandt hatte, die auf den Balkon herum pickten.
„ Aber wir wissen nicht, was er vorhat. Seit jener Nacht gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm“, ergänzte die Elbe mit Nachdruck. Wieder huschte ein neckisches Lächeln über Pallandos Lippen, welches den alten Zauberer etwas ungemein Jugendliches verlieh.
„ Da komme ich ins Spiel. So begab es sich, dass Saruman im Dezember letzten Jahres zu mir und Alatar nach Gortharia kam. So energisch und mit solchem Wahnsinn versehen, hatte ich ihn noch nie gesehen. Er forderte mich und Alatar auf sich seinem Plan anzuschließen.“
Er machte eine dramatische Pause und trank etwas Wasser, dass ihn Galadriel bereit gestellt hatte.
„ Er wollte, dass wir uns mit ihm verbünden. Wir sollten Rhûn aufwiegeln und Saurons Diener aus dem Land vertreiben. Im Gegenzug würde er sich an den freien Völkern rächen, für die Demütigung, die sie ihn in Helms Klamm zugefügt hatte und später Olórin, als er ihn aus den Orden verstieß und seinen Stab zerbrach. Gemeinsam sollten wir drei uns dann gegen Sauron stellen, um endgültig über Mittelerde zu herrschen.“
Galadriel stockte der Atem und in ihren Augen las Pallando die Frage, die ihr auf der Zunge brannte.
„ Wie er das anstellen will? Er hat sich tief in die Schächte und Gänge Khazad-Dums zurückgezogen und versucht dort die Orks und sonstigen Kreaturen des Nebelgebirges für sich zu gewinnen.“
„WAS?!“, entfuhr es Galadriel, die entsetzt aufgesprungen war, sodass die Spatzen aufschreckten und davonflogen.
„ Ruhig Galadriel. Alatar und Ich haben ihn nicht unterstützt, er drohte uns zwar, schien sich aber nicht siegessicher genug seine Drohungen in die Tat umzusetzen. Ich glaube kaum, dass er mit seinem Plan schon sonderlich viel Erfolg hat, sonst hätte er uns mehr unter Druck setzen können. Aber dennoch müsst ihr auf der Hut sein. Die Gefahr droht jetzt nicht nur aus Süden. Sie wuchert mitten in eurem Herzland.“

Galadriel ließ sich auf den Stuhl sinken und plötzlich umfing sie Dunkelheit.
Schweißgebadet wachte sie auf und merkte, dass es finstere Nacht war. Nur einzelne Lampions, die im Wald leuchteten, trugen Licht in ihr Gemach hinein.
Das war alles nur ein Traum., kam es Galadriel in den Sinn und erleichtert stieg sie aus dem Bett. Sie wanderte in ihrem Zimmer auf und ab, sich immer sicher werdend, dass sie das Gespräch mit einen der blauen Zauberer nur geträumt hatte.
Gerade als sich die Gewissheit in ihr Gehirn eingeschlichen hatte, sah sie die Simbelmyne, die in einer Vase auf ihren Nachttisch stand und die Erkenntnis traf sie wie ein Pfeil im Herzen.



„Herrin was ist los?“, ertönte die Stimme des braunhaarigen Elben Antien, nach dem Galadriel hatte rufen lassen.
„ Mein Junge, du musst nach Lindon reisen. Du musst dorthin reisen und die Überbringung Gandalfs überwachen. Es ist hier nicht mehr sicher für ihn“, antwortete sie niedergeschlagen.
„ Nicht mehr sicher, aber…was meint ihr. Ich verstehe nicht“, entgegnete der Elb, der sichtlich verwirrt zu sein schien.
„ Glaub mir. Tu es für mich, Tu es für ihn!“
Antien nickte und machte sich auf seine Sachen zu schultern.


Noch nie hatte sie sich so allein gefühlt, wie in dieser Nacht. Sie eilte pfeilschnell durch die kühle Nacht und hatte sie gestern noch den Hauch des Sommers gespürt, so lachte die hämischen Ausläufer des Winters diese Nacht über sie. Die Stufen hinab zu ihrem Spiegel waren eisig kalt.
Die Sterne funkelten im stillen Wasser der silbrigen Schale und als Galadriel hineinblickte, flossen bittere Tränen als sie das flammende Rot sah.
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« Antworten #33 am: November 26, 2011, 14:38 »

Aus der Sicht Galadriels:

„Auf mit dir! Flieg so schnell du kannst“, wisperte die sanfte Stimme Galadriels der Nachtigall hinterher, die sich in die Lüfte erhob.
„Mithrandir wird es im Alten Wald gefallen…“, gluckste Radagast, der neben Galadriel stand und auf dessen Schultern und Stab sich verschiedene Vögel niedergelassen hatten.
„ Das glaube ich auch….das glaube ich auch“, seufzte die Elbenherrin und sank auf einer kleineren steinernen Bank nieder.
Die beiden hielten sich im Garten Galadriels auf, der ganz im Zeichen des Frühlings stand. Überall sprang ihnen der süßliche Geruch der frisch blühenden Blumen und Kräuter entgegen.
Radagast alberte derweil noch mit den Vögeln herum, während die Elbenherrin ihr Gesicht tief in den Händen vergrub.
Schwarze Ringe hatten sich unter ihre strahlend blauen Augen gelegt und zeichneten ihre Alabasterhaut schlimmer als Narben.
„Radagast können wir ihm vertrauen?“, sprach Galadriel mit schwacher Stimme.
„Radagast?!“, setzte sie lauter nach, als der Zauberer nicht reagierte und weiter mit den Vögeln tollte.
„Hmm was?“, stotterte der Zauber und ließ vor lauter Schreck fast seinen Stab fallen. Die Spatzen, die sich auf ihn niedergelassen hatten, schnatterten verärgert.
„Entschuldige“, murmelte der Braune und Galadriel war sich nicht sicher, ob diese Floskel ihr oder den Vögeln gegolten hatte.
Dennoch trottete der Zauberer zu ihr und ließ sich stöhnend neben sie sinken. Als er sprach fürchtete sich Galadriel fast von der Klarheit mit der seine Worte und Stimme erfüllt waren.
„ Bereits letztes Mal sagte ich dir, dass du schon lange nicht mehr mit deinen Herzen gedacht hast, Tochter des Lichts.
Du bist dabei ein Netz aus Verzweiflung und Angst zu weben, welches dich stetig lähmt. Du hast dir die Nöte aller zu Eigen gemacht und siehst nicht, wie du daran langsam zerbrichst.“
Die Klarheit und treffende Präzision Radagasts Worte erschreckten Galadriel und trafen sie wie ein Dolch mitten ins Herz. Sie konnte nicht anderes tun als weiter den Worten des braunen Zauberers zu horchen.
„Du fragtest mich, ob wir Pallando trauen können und ich sage dir ich weiß es nicht. Ich dachte auch, dass wir Curunír vertrauen können, ihm vertrauen müssen. Doch da lag ich falsch. Vielleicht bin ich wirklich Radagast der Einfältige und Narr, wie mich Saruman stets verhöhnte.
Ich verstehe mich eben nur auf alles was wächst und nicht für sich selbst sprechen kann, so wie es meine Herrin Yavanna mir aufgetragen hat.
Den Geist und das Wesen von Mensch, Elb und Zwerg zu ergründen war nie meine Stärke gewesen…darin war Mithrandir immer der geschicktere gewesen.“
Bei den letzten Worten klang eine tief traurige Resignation mit, die Galadriel bei Radagast nie erwartet hätte.
Ihre Stimme bebte leicht, als sie zu sprechen anfing.

„Manchmal…manchmal wenn die Machtlosigkeit mich übermannt, dann Frage ich mich, ob ich damals nicht falsch gehandelt habe.
Ob ich damals als der Halbling mein Reich betrat seinen Bitten nicht hätte nachgeben sollen. Vielleicht hätte ich das alles verhindern können, wenn ich den Ring an mich genommen hätte. Wenn mein Wunsch nach Valinor zurückzukehren nicht stärker gewesen wäre, als der Wunsch Sauron aus Mittelerde zu verjagen.
Ach…ich merke nur wie schrecklich müde ich langsam werde…“
„Müde sind wir doch alle Galadriel. Egal ob Elb, Istari oder diese Vögel hier. Aber blick dich um. Schau an, wie Yavannas Werk aus den Poren Mittelerdes sprießt. Rieche den Duft der Blüten und Blätter deines Gartens…ist das nicht herrlich.“

Galadriel nickte und umarmte den braunen Zauberer. Das Gefühl der Machtlosigkeit und der drohende Schatten auf ihren Herzen waren zwar noch nicht gewichen, aber dennoch hatte Radagast ihr Hoffnung und Mut gegeben. Hatte etwas Licht in ihr gepflanzt, welches hoffentlich wie die Frühlingsblumen in ihr bald wachsen und gedeihen würde.
Sie blickte den braunen Zauberer hinterher, als jener tiefer in den Wald hinein wanderte und dachte sich, Die Leute verkennen dich Radagast der Braune. An Weisheit und Güte stehst du Mithrandir nichts hinterher, nur muss man dich erst besser kennen, um sie in vollen Zügen zu erfahren.



„Herrin Galadriel, Herrin Galadriel!“, stürmte der blonde Elb in Galadriels Gemach, die gerade gedankenverloren Nenya betrachtete.
„Orophin beruhigt euch, was ist denn passiert?“, erwiderte sie verdutzt, als sie Orophin hinein rennen sah.
„ An der Grenze sahen Rumil und ich Orks…aber es waren keine normalen Orks. Die Statur hatten sie wie Orks aus dem Nebelgebirge vermutlich aus dem verfluchten Khazad-dûm. Aber..“
Der Elb musste nicht weitersprechen, sie wusste, was als nächste kommen würde.
„…sie waren viel besser gerüstet – schwer gepanzert müsste man sagen und sie…sie…trugen eine weiße Hand auf ihren Schilden…die weiße Hand Sarumans.“
Galadriel sprang auf, nahm Orophins Kopf zwischen seine Hände und blickte ihm tief in die Augen.
„Bist du dir ganz sicher?“
Der Elb nickte und Galadriel versuchte jegliche Panik aus ihrer Stimme zu verbannen.
„Schick sofort nach Faendir und Antien, sie müssten heute aus dem Alten Wald zurückgekommen sein. Bring sie zu mir! Ich hab einen Auftrag für sie. Als nächstes bereitest du Schattenfell und Kaladh vor. Sie brauchen die schnellsten Pferde, um nach Dol Amroth zu kommen..“
„Dol Amroth?“, erwiderte der Elb verdutzt.
„Geh!“

Als Orophin hinaus gestürmt war, fiel die Fassade Galadriels und sie zitterte am ganzen Leib.
Feuer und Schatten…
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« Antworten #34 am: Februar 08, 2012, 13:17 »

Oronêl, Amrûn, Celebithiel, Antien, Faendir, Amrothos und Irwyne von der Grenze

Der frische Waldgeruch stieg Celebithiel in die Nase, als sie auf dem schwarzen Ross langsam trabend durch die immergrünen Ränder Lothlóriens streiften.
Sie hatte die seidenen Handschuhe abgestreift, die sie vor der frühlingshaften Kälte der weiten Steppen Rohans beschützt hatte und fühlte wie die wärmende Atmosphäre des Waldlandreiches ihre Fingerspitzen zum Kribbeln brachte. Aber vielleicht waren es auch einfach die positiven, Heimligen Gefühle, die sie mit diesen Jahrhunderte alten Wald verband, der außerhalb von Raum und Zeit zu existieren schien.
„Dein Lächeln, so selten es sein mag, erfreut einen immer wieder aufs Neue den Tag“, schmunzelte Amrûn, der mit Irwyne neben ihr ritt. Celebithiel legte den Kopf schief und merkte, wie Blut in ihre Wangen schoss, welches ihnen einen zarten Rosaton verlieh.
„Ich kann es schon sehen!“, pfiff Antien vergnügt durch die Lippen und als alle ihren Blick nach vorne wandten wurde ihnen auch klar, was er meinte. Caras Galadhon mit seinen riesigen Stamm und goldenen Blättern ragte vor ihnen empor, wie ein Riese und Celebithiels ozeanblauen Augen wurden feucht beim Anblick des Wohnsitzes von Galadriel und Celeborn.
Wie hofft habe ich diesen Wald in meinen Träumen heimgesucht? Wie oft hat mein Herz ihre Gesichter ersehnt. Es stimmt also Heimat ist dort, wo Menschen sind, die du ins Herz geschlossen hast.
„Aber, aber…“, frohlockte Oronêl, der mit Amrothos jetzt an ihr vorbeigezogen hatte, „…sieht man die Elbenprinzessin jetzt zu Tränen gerührt“, während er ihr ein schneeweißes, besticktes Taschentuch reichte.
Celebithiel hingegen winkte freudig ab, während die letzte Freudenträne über ihre Wangen strich.
„Heimat…“, flüsterte sie und gemeinsam setzte sich der Tross fort, bis sie am Fuße Caras Galadhons angekommen waren.

„Seid gegrüßt ihr tapferen Reisenden! Amrûn, Celebithiel schön euch wieder zu sehen“, empfing sie zur Verwunderung aller Radagast der Braune am Fuße der Treppe.
„Der braune Zauberer“, verschlug es Oronêl den Atem, da es auch für einen alten Elben eine Besonderheit darstellte einen der Istari persönlich zu treffen.
„Sei gegrüßt Radagast!“, lächelte Celebithiel, während ihre Augen besorgt über die Treppe huschten, um ihre Ziehgroßmutter Galadriel zu erblicken. Der alte Mann lächelte betrübt, als er ihren suchenden Blick erkannte, beugte sich vor und flüsterte ihr ins Ohr.
„Mein liebes Kind. Der goldenen Herrin geht es nicht so gut, sie fühlte sich nicht stark genug euch heute willkommen zu heißen. Vielleicht schaust du nachher alleine mal nach ihr.“
Großväterlich tätschelte ihr dabei die Schulter und die Elbenmaid nickte nur, dass sie verstanden hatte.
„Ihr anderen Mensch und Elb…lasst uns hier draußen nicht versauern und den Gras beim Wachsen zu schauen, obwohl das eine interessante Tätigkeit ist, wenn ich das mal so anmerken darf – also wo war ich? Achja genau lasst uns herein gehen. Dort drinnen wartet Speiß und Trank auf euch!“

Gemeinsam stiegen sie die Treppe hinauf, wobei sich Celebithiel bei Antien untergehakt hatte und eine laue Brise umschlang sie für einen kurzen Moment, indem sie inne hielt und ihre scharfen Elbenaugen einen Mann fokussierten, der im Halbschatten aus einen der oberen Gemächer hinab schielte.
Antien bemerkte ihren Blick, neigte seinen Kopf zur Seite und mit seiner freundlichen Stimme wisperte er: „Das ist Palando, einer der Ithryn Luin. Er ist vor nicht ganz einen Moment hier aufgetaucht und hat uns über Sarumans Machenschaften aufgeklärt. Seitdem verweilt er im Palast und berät Radagast und Galadriel. Es war auch seine Idee Gandalf in den Alten Wald zu Tom und Goldbeere zu bringen.“
Beim Namen ihres Freundes und Mentors versetzte es der Elbe einen kleinen Stich ins Herz und instinktiv wanderte ihre Hand zu der feinen Silberkette, an deren Mitte Narya, der Ring des Feuers, baumelte.
Daraufhin setzte die Gruppe ihren Weg die Treppe hinauf fort, hinein in die prächtigen Hallen und Gemächer des Caras Galadhon, den Celebithiel noch nie so leer und trist gesehen hatte. Ebenso hielt sie kurz inne und von der erhöhten Position wanderte ihr Blick nochmal über ihre Heimat, aber sie schien sie nicht wiederzuerkennen. All die Eindrücke, die vorgeherrscht hatte, als sie vom Celebrant aus geritten waren, schienen wie wegblasen. Wie ein Tagtraum, aus dem man schnell und ruckartig gerissen wurde. Der Wald wirkte kühl und blass, als hätte jemand ein graues Tuch aus Furcht, Angst und Melancholie gewoben und es zum Schmucke über die Wipfel und Äste der standhaften Bäume gelegt.
Selbst in der Schlacht mit den Hexenkönig hatte Celebithiel den Wald noch nie so niedergeschlagen erblickt.
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« Antworten #35 am: Februar 09, 2012, 19:45 »

Die Sonne versank im Westen, und der silberne Mond erhob sich über den Wipfeln Lóriens, als Oronêl langsam die Haupttreppe von Caras Galadhon hinunter ging. Nachdem sie sich gemeinsam gestärkt hatten, hatte er sich von den anderen verabschiedet, denn er wollte Caras Galadhon zuerst allein wiederentdecken. Während er unter den hohen, uralten und ihm größtenteils gut bekannten Bäumen umherstreifte, spürte er unter seiner Freude, wieder zuhause zu sein, auch ein diffuses Gefühl der Sorge oder Angst. Er mochte nicht daran denken, dass die dunklen Machenschaften Sarumans diese Idylle stören oder sogar vernichten mochten, doch ganz verdrängen ließen sich diese Gedanken nicht.

Die Straßen der Stadt waren nahezu ausgestorben, doch hin und wieder begegnete er anderen Elben, von denen er nun sogar einige wiedererkannte. In ihren Gesichtern sah er Sorge und Furcht vor dem, was kommen mochte, als sie ihn sahen und erkannten, wurde sie von Überraschung und auch Freude überlagert. Einige Male blieb er stehen, um jemanden zu begrüßen, den er früher gut gekannt hatte, und erfuhr so einiges über das, was seit seinem Weggang in Lórien geschehen war: Die Herrschaft von Celeborn und Galadriel, die Ankunft der Ringgefährten, und die Schlacht um Lórien, in der der Hexenkönig von Angmar gefallen war. Auch er berichtete von seinen Erlebnissen in der Welt außerhalb Lóriens, doch vor allem sein Bericht über Amroths Tod schien niemanden mehr zu überraschen. Doch obwohl er fragte, woher die Elben Lóriens von Amroths Tod erfahren hatten, wo doch niemand sonst dabei gewesen war, gab ihm niemand eine Antwort.

Schließlich kam er in einen verlassenen Garten nahe dem Rand der Stadt. Dort setzte er sich mit dem Rücken an einen alten Mallorn, der schon hier gewachsen war, als Amdír König von Lórinand war. Es war einer der ersten im Land gewesen, dessen Samen von den Númenorern Gil-Galad zum Geschenk gemacht wurde, und von diesem nach Lórinand gelangt war, da er in seinem Reich keine Wurzeln schlug. Oronêl war dabei gewesen, als Amdír ihn zur Feier der Geburt seines Sohnes Amroth gepflanzt und gesegnet hatte, und hatte selbst einen Baum auf der Westseite der Stadt gepflanzt, um Mithrellas' Geburt zu feiern.
Während er mit dem Rücken am Baum lehnte und in den Himmel sah, an dem inzwischen die ersten Sterne erschienen waren, wurde ihm klar, dass der Wald immer noch derselbe wie vor über tausend Jahren war. Er selbst hatte sich verändert, wie auch das Volk von Lórien, und obwohl es noch immer seine Heimat war, obwohl er immer noch bekannte Gesichter hier sehen konnte, fühlte er sich nun ein wenig fremd. Doch bevor er erneut in Erinnerungen an seine Zeit versinken konnte, sah er aus den Augenwinkeln, wie sich jemand näherte, und obwohl er wusste, dass es innerhalb dieses Landes nichts Böses geben konnte, stand er rasch auf.

Vor ihm stand, in braun gekleidet und vergnügt lächelnd, Radagast, der braune Ista. Oronêl verneigte sich. "Mein Herr Radagast, ich freue mich, euch noch einmal zu treffen." "Nein nein", sagte Radagast fröhlich, "Du hast gar keinen Grund, dich vor mir zu verneigen. Ebenso könnte ich mich vor dir verneigen, Fae-Brûn, Alte Seele."
"Wieso nennt ihr mich so? Mein Name ist Oronêl Galion von Lórinand, oder besser Lothlórien, wie es nun heißt.", meinte Oronêl verwundert. Radagast zwinkerte ihm zu. "Nun, ich spüre, wie alt du bist. Du weilst bereits länger in Mittelerde als ich, und das will schon etwas heißen. Außerdem habe ich bemerkt, dass der Wald sich über deine Rückkehr freut. Du gehörst mehr hierher als ich es tue, und darum könnte ich mich auch vor dir verneigen. Und außerdem möchte ich dich bitten, mit mir ebenso vertraut zu sprechen, wie ich es tue. Es ist nichts Majestätisches oder besonders ehrfurchtgebietendes an mir, weswegen du mir übergroßen Respekt schuldig bist. Doch nun, lass es uns wieder ein wenig bequem machen." Mit diesen Worten setzte er sich an den Baum, und Oronêl tat es ihm gleich.

Als sie eine Zeitlang schweigend unter dem Baum gesessen hatten, griff Radagast in eine Tasche in seinem weiten braunen Gewand und holte in ein in grün gefärbtes Leder gebundenes Buch hervor. "Ich muss mich bei dir entschuldigen, Oronêl, für meine Verstellung. Ich wusste sehr wohl über dich und deine Geschichte in Lórinand Bescheid. Wirst du mir auch den Rest berichten?", sagte er. Oronêl sah ihn verwundert an und fragte: "Woher wusstet ihr-du", verbesserte er sich nach einem strengen Blick Radagasts, "davon? Wer kann dir davon erzählt haben?" Radagast lachte. "Frau Galadriel war es. Aber woher sie es wusste, kann ich dir nicht sagen. Sie weiß über viele Dinge Bescheid, von denen andere nichts wissen. Doch ich bitte dich, erzähle mir den Rest deiner Geschichte."
Und obwohl Oronêl noch immer verwundert war, erzählte er Radagast von seinen Erlebnissen, von der Reise mit Amroth und Nimrodel in den Süden, seinem Versteck in den Pinnath Gelin, der Belagerung von Dol Amroth und seiner Entdeckung, das die Fürsten dieser Stadt seine Nachfahren waren, und der Reise nach Norden. Nur vom Ring des Nazgûl erzählte er nichts, obwohl er das Gefühl hatte, das der Zauberer auch darüber Bescheid wusste, doch wenn dem so war, ließ Radagast sich nichts anmerken.

Als Oronêl geendet hatte sah er mit Erstaunen, das der Mond inzwischen wieder untergegangen war, doch die Sterne den Garten noch immer hell erleuchteten. Auf Radagasts Knie hatte sich inzwischen ein Eichhörnchen niedergelassen, und auf seiner Schulter saß ein Käuzchen, das Oronêl mit seinen großen Augen anstarrte. "Ich danke dir, dass du mir deine Geschichte erzählt hast, Oronêl, und zum Dank dafür gebe ich dir dieses Buch, das ich von Galadriel erhalten habe. Öffne es, und ließ!"
Obwohl er immer noch nicht ganz schlau aus Radagasts Verhalten wurde, nahm Oronêl das Buch, schlug es auf und begann zu lesen.

Anmerkung von Camhael, Schreiber Nolondíls, des Fürsten von Andúnie:
Diese Schrift kam im Jahr 891 des Zweiten Zeitalters der Sonne nach Númenor, in den Händen der Elbe Nellas von Doriath aus Tol Eressea. Sie kam gemeinsam mit ihrem Mann Ardir von den Falas und vielen anderen Elben Tol Eresseas am ersten Tag des Frühlings von Tol Eressea. Die Elben brachten Aldarion, dem damaligen Thronfolger und späterem König, viele Geschenke von hohem Wert und viele Bücher von großer Gelehrsamkeit, von denen hier nichts weiter gesagt werden soll, doch unter ihnen war auch dieses.
Im Jahr 1483 wünschte Nolondíl, der Fürst von Andúnie eine Abschrift dieses Buches, da er eine große Bibliothek, in der alles Wissen über die Geschichte der Eldar und Edain gesammelt werden sollte. Das ursprüngliche Buch ist in den Cirth von Doriath und auch in jenem alten Dialekt verfasst. Die Schriftart wurde von mir bei der Abschrift beibehalten, allerdings habe ich die Sprache zum besseren Verständnis in das heute gebräuchliche Sindarin übertragen.
Camhael, Schreiber von Andúnie, im Jahr 1484 des Zweiten Zeitalters der Sonne.

Anmerkung von Mithrellas, Enkelin der Nellas von Doriath:
Diese Abschrift kam auf verschlungenen Wegen von Númenor nach Lórien. Isildur, Sohn Elendils von Andúnie rettete es vor dem Untergang Númenors nach Mittelerde, und fügte es seiner Bibliothek in Minas Ithil hinzu. Bei der Eroberung der Stadt durch die Armeen Saurons war es eines der Bücher, die Isildurs Schreiber retten konnte. Auf diese Weise kam das Buch nach Arnor, wo es lange in der Bibliothek von Fornost aufbewahrt wurde, doch als der Fall Arthedain bevorstand, ließ König Arvedui einen großen Teil der Bücher, darunter auch dieses, in Imladris in Sicherheit bringen, um das darin enthaltene Wissen zu schützen. Celebrían, die Tochter von Galadriel und Celeborn und Elronds Gattin brachte es schließlich nach Lórien, und machte es mir zum Geschenk, da sie in Nellas meine Großmutter erkannt hatte.
Mithrellas Galion von Lórien, im Jahr 2506 des Dritten Zeitalters der Sonne.

Oronêl hörte auf zu lesen und hob den Kopf. Erst langsam begann er das eben gelesene zu verstehen. "Mithrellas... in Jahr 2506 des Dritten Zeitalters..." Er bemerkte, dass Radagast sich erhoben hatte. "Geh zum Cerin Amroth, dem Hügel auf dem Amroth einst wohnte.", sagte er, und die Worte trafen Oronêl wie Hammerschläge, "Dort wirst du finden, was du suchst. Ich werde dich bei deinen Gefährten entschuldigen. Aber geh schnell und komm bald zurück!" Damit war der Zauberer plötzlich verschwunden und Oronêl war wieder allein.
Langsam erhob er sich, steckte das Buch in den leeren Beutel, den er am Gürtel trug, und ging langsam auf das Tor zu, das sich in einiger Entfernung hinter den Bäumen befand. Er hatte noch nicht die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als er zu laufen begann.

Oronêl zum Cerin Amroth...
« Letzte Änderung: Februar 21, 2012, 15:09 von Eandril » Gespeichert



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« Antworten #36 am: Februar 13, 2012, 00:15 »

Während dem Mahl saßen alle beisammen, doch aßen und tranken sie ohne viele Worte dabei zu wechseln. Die erhoffte Erleichterung, die ihn normalerweise erfüllte, wenn er die Grenzen dieses Landes übertrat, setzte überraschenderweise nicht ein. Galadriel war nicht von ihren Gemächern herabgestiegen um die Ankömmlinge zu begrüßen. Vermutlich hatte sie dringenderes zu Erledigen in diesen bedrohlichen Tagen.

Der Elb errinnerte sich gut an die ereignislosen Tage der Vergangenheit, als die Zeit hier still stand und alles bewahrte, was gut und schön war. Doch dieser Schleier war verflogen, die Macht des Elbenreiches versiegte. Würde ein Angriff Sarumans erfolgen, mit welchen Truppen würden sie sich verteidigen?

So schweigend sie sich gegenüber gesessen haben, so still entfernten sich alle vom Tisch und hinterließen ein trostlos kühles Bild von Verlassenheit. Amrûn sah nur, wie Celebithiel eiligst den Weg in die Gemächer ihrer Großmutter suchte. Er und Irwyne jedoch machten sich auf die Suche um ein eigenes Quartier.

„Das hier ist ein merkwürdiger Ort?“, begann sie leise zu sprechen, so als ob sie ein Fremder belauschte.
„Ja, das ist er. Viele würden ihn wohl als magisch bezeichnen.“
„Wohl eher verwunschen“, höhnte das blonde Mädchen ein wenig „so Grabesstill wie es auf dem Tisch und auf den Straßen ist.“

Amrûn seufzte laut: „Du hättest Lorien kennen müssen, wie es früher war. Ehe der Hexenkönig und seine verfluchte Armee kamen und Saruman sich das Nebelgebirge zu Eigen machte. Lorien war voll von Wundern, wie Menschen es bezeichnen würden.“

Ein langes Schweigen setzt wiederum ein.

„Amrûn! Erzähl mir davon“, forderte sie ihn flehend an „Bitte.“
Geruhsam setzten sie sich auf ein Flet, das weit oben in einer der höchsten Mallorn war. Durch ein Loch im Blätterdach sah man über die Wipfel der Bäume weit hin bis zum Anduin.

Und es war den ganzen Abend so, als würde Amrûn von einem wunderschönen Traum erzählen. Von Licht und Schönheit in den glorreichen Tagen Lothloriens, als es das Herz allen Elbentums in Mittelerde war. Seit den Tagen Beleriands gab es keinen Ort mehr, wo Dunkel-, Grau- und Lichtelben so nah beieinander in Harmonie lebten, um das zu bewahren, was ihnen teuer ist.

Er wusste nicht genau, wann Irwyne die Augen zu fielen, doch nach stunden langem Redefluss sah Amrûn in das friedliche Gesicht des schlafenden Mädchens. Er legte sich ihre Hand um die Schulter und hob sie mit seinen beiden Armen hoch. Behutsam brachte er sie nach unten und legte sie zwischen zwei bemooste, alte Baumwurzeln. Ihr Kopf kippte zur Seite, dabei fiel ihr eine Strähne ihres goldenen Haares ins Gesicht.

„Hab schöne Träume, kleine Irwyne“, flüsterte er in ihr Ohr ohne sie dabei zu wecken. Der Elb jedoch stieg die Treppen wieder hinauf und lies sich vor dem Palast Galadriels an einem silbernen Stamm niedersinken. Er versuchte die Ruhe zu genießen, doch liesen ihn seine Gedanken über Celebithiel und Galadriel nicht los.
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1. Char Amrûn ist in Lothlorien   |-----|   2. Char Elea ist in Minas Tirith
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« Antworten #37 am: Februar 14, 2012, 18:56 »

Keine Lichter tanzen durch Caras Galadhon…alles wirkt so…morbide. Als würde sich der Baum und dadurch der Wald zum Sterben bereit machen.
Celebithiel stieg behutsam die unzähligen Treppen hinauf, die vom Speisesaal hinauf in die königlichen Gemächer führt, vorbei an vielen Gemälden und kleineren Räumen, die die rothaarige Elbe noch nie wirklich erforscht hat. Doch plötzlich bleiben ihre Augen an einem Portrait hängen, welches in feinen Pastelltönen gezeichnet worden war und eine Frau mit weißgoldenem Haar zeigte. Am unteren Rand war in feinen Lettern “Sílanim“.
Das Herz der Elbe setzte einen kurzen Moment aus, als sie den Namen las und etwas brach in ihr auf, was sie schon lange als begraben geglaubt hatte.


„Macht Platz für die tapferen Krieger, die an der Seite Elronds und Glorfindels gegen den Hexenkönig von Angmar kämpften“, posaunten die Waldelben, die in graue Farbtöne gehüllt waren, und bildeten eine Gasse, um die Reiter auf ihren edlen Rössern durchzulassen.
„Komm Sílanim lass uns weiter nach vorne, um einen Blick auf unsere tapferen Krieger zu werfen. Schau nur, wie stark sie aussehen in ihren glänzenden Rüstungen. Oh! Das da vorne muss der tapfere Glorfindel sein. Sein Haar ist fast so weißgoldenen wie deins Sílanim“, flötete die andere Elbe und packte das schüchterne Mädchen an der Hand und zerrte es in die zweite Reihe, wo sie durch kleine Ritzen einen Blick auf die Streitkräfte Lóriens und Elronds werfen konnten. Ihre ozeanblauen Augen weiteten sich, als sie all die tapferen Männer sehen konnte, die in den Kampf gegen den furchtbaren Schatten gezogen waren, der Arnor fast vollkommen zerstört hatte.
„Oh schau…da ist Amroth“, flüsterte die Elbe schüchtern und zupfte ihrer Schwester ungeduldig am smaragdgrünen Rock.
„Ich grüße euch ihr tapferen Soldaten und unsere lieben Verwandten aus Imladris! Es freut mich sehr, dass uns nach diesen schweren Kämpfen hier in Lorínand besuchen kommt…“, begrüßte Amroth, der in einen purpurnen Pelz gehüllt war die Ankömmlinge, während er Elrond und Glorfindel freudig und herzlich umarmte.
„Komm lass uns schon einmal zum Festplatz gehen“, drängelte Sílanim, „ dann haben wir später einen besseren Blick auf die Hochelben!“
So machten sich die beiden Elben auf den Weg und hüpften freudig über den Weg, der sie zum Festplatz führen sollte, der reichlich geschmückt war. Mehrere Reihen von schweren Holztischen hatte Amroth hier aufstellen lassen auf denen sich Flaschen teuren Weins aus dem Düsterwald, sowie feiner Köstlichkeiten aus dem Umland finden ließen.
„Schau mal Glôriel, die Platten mit dem feinsten Schinken an“, säuselte Sílanim, der schon fast das Wasser im Mund zusammenlief.
„Ruhig Sílanim sonst entdeckt uns noch jemand“, keifte ihre Schwester und drückte ihren Kopf ein wenig tiefer, sodass sie niemand im Gebüsch erkennen konnte.
„Da sind sie…die tapfersten Krieger unter den Elben. Da vorne ist Herr Elrond, der Halbelb, aus Imladris und neben ihn ist Celebrían. Sie ist soo schön…“, träumte Sílanim, was ihr aber nur einen bösen Blick ihrer Schwester einbrachte.
„Na was ist denn so interessant, dass sich zwei vornehme und hübsche junge Damen, wie ihr im Gebüsch verstecken müsst?“, fragte sie eine tiefe, aber von Freundlichkeit und Wärme erfüllte Stimme.
Glôriel drehte sich um und jegliche Farbe war aus ihrem kantigen Gesicht gewichen, während Sílanim einen spitzen Schrei ausstieß.



„Galadriel? Seid ihr da, ich bin es Celebithiel“, klopfte die schlanke Elbe behutsam an die mit Ornamenten versehen Tür. Es kam keine Antwort, aber dennoch betätigte sie die Klinke und betrat den weitläufigen Raum, dessen Herz ein herzförmiges Himmelbett bildete. Die seidenen Vorhänge waren zugezogen, sodass Celebithiel nichts Genaues erkennen konnte. Jenes wäre ihr sowieso nicht so leicht gefallen, denn erstickende Düsternis erfüllte das Gemach der Herrin des Lichts. Alle Vorhänge aus schweren Stoff waren zugezogen, sodass nicht einmal das kalte Mondlicht einen Weg hierher finden konnte.
„Großmutter?“, ertönte ihre Stimme und Celebithiel hatte das Gefühl als hätte sie die Worte in voller Lautstärke geschrien so unpassend wirkten sie in dem Zimmer, welches einer Grabkammer glich. Behutsam schlich Celebithiel auf Zehenspitzen zu dem Bett und strich den Vorhang beiseite.
Doch was sie vor sich erblickte war nicht die Herrin des Lichts, sondern eine in Finsternis gekleidete Frau, die lethargisch, mit wehmütigen Blick, auf dem Bett lag. Ihr Körper zeigte keine Regung, aber ihre durchdringenden, blauen Augen fokussierten die Elbe, welche am Fußende stand.
Es folgte kein Wort, sondern nur eine stumm, klagende Geste sich zu ihr zu legen. Ohne zu zögern schlüpfte die rothaarige Elben aus ihren weißen Schuhen und schmiegte sich an eine der mächtigsten Lebewesen, die in Mittelerde existierten.

Auch wenn Celebithiel mit Galadriel nie darüber geredet hatte, war sie sich sicher, dass die Herrscherin über den goldenen Wald sich in dieser Nacht in den Schlaf schluchzte, ohne eine einzige Träne zu vergießen.
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« Antworten #38 am: Februar 14, 2012, 23:30 »

Der Morgen begann schon zu Dämmern, als Amrûn von einer lieblich hellen Stimme geweckt wurde.Ein junges Elbenmädchen schaute ihm in die Augen und lächelte dabei: „Guten morgen! Ihr seid Amrûn, nicht wahr?“
Der Elb nickte ihr nur zu.
„Mir wurde die Aufgabe zugetragen euch diesen zu übergeben“, sagte sie bestimmt und übergab ihm ein Kuvert.
Amrûn nahm ihn dankend an und musterte ihn genau. Das Pergament war aus elbischer Hand, ganz glatt und annähernd weiß. Die Vorderseite war mit silbernen Ornamenten verziert und auf der Rückseite war ein Wachssiegel in Form eines Sterns: „Er ist von Herrin Galadriel?“
„Ja. Sie hat mich vor einigen Tagen beauftragt ihn euch zu übergeben.“
„Warum gibt sie ihn mir nicht selbst?“, fragte er verwundert.
„Sie wird ihre Gründe dafür haben.“
„Wisst ihr was darin steht?“
„Nein, doch sagte sie, dass ihr euch zurückziehen sollt ehe ihr ihn öffnet.“

Etwas verwirrt steckte ihn Amrûn in seinen Mantel. Jetzt da er wusste, was Galadriel dazu gesagt hatte, wurde er etwas ängstlich. Was mochte wohl in dem Brief stehen?

Er kämpfte zunächst mit der Angst, wollte den Brief wieder vergessen oder verdrängen, doch die Neugier schlummerte in ihm und konnte sich nicht zurück halten. In eiligem Schritt lief Amrûn zu dem Flet zurück, aufdem er gestern mit Irwyne geplaudert hatte. Er stellte sich an das Ende und sah von dort aus über den gesamten östlichen Wald. Die Sonne schaute gerade über den Horizont und tauchte die Wolken in ein kräftiges Orange und Rot. Selten hatte er in der letzten Jahreszeit ein solches Spektakel erlebt. Behutsam fing er den Umschlag aus seiner Tasche und betrachtete ihn nochmals inständig. Der Elb rang lange mit sich selbst, mit seiner Furcht was darin stand. Das Siegel knackte laut, als es zersplitterte und vom Pergament rutschte. Darin befand sich ein zusammengefaltetes, einfaches Blatt. Er erkannte die feinen elbischen Buchstaben, die vermutlich Galadriel geschrieben hatte.



Mein lieber Amrûn, treuer Freund,

die Zeiten die wir erleben sind wohl die dunkelsten seit dem Untergang des fernen Beleriands. Ich erinnere mich an Sonnenuntergänge im fernen Westen an den Ufern des Meeres, an den süßen Duft des Frühlings in Doriath, an meine alten Freunde die ich stets im Herzen trage. Es ist schon viel zu lange her. Hätten wir gewusst, was wir jetzt erleben, hätten wir die Tage vermutlich besser genutzt.

Es tut mir Leid, dir in dieser dunklen Stunde eine noch dunklere Nachricht zu überbringen. Aratinnuíre, welche am Beginn die Sterne in Cuiviennen erblickte, verließ im Geiste diese Gefilde. Es war ihr ein Schwieriges deinen Abschied zu verabeiten und mit der Angst zu Leben dich vielleicht niemals wieder zu sehen.

Ihr Herz, so sagte mir Cirdan, hing sehr an Mittelerde, doch noch mehr hing es an dir. Ein batroullierendes Boot fand sie auf einer der steilen Küsten Harlonds unter einem weißen Baum. Sie brachten sie ohne zu zögern zu Cirdan der wohl als einziger in der Lage gewesen wäre sie zu heilen.

Doch all ihre Wärme war von Aratinnuíre gewichen. Sie hatte kaum noch genug Kraft um ihre Augen zu öffnen. Sie lag wochenlang in Cirdan’s Gemächern an ein Bett gefesselt. Der weiseste Heiler unter uns sah keine Hoffnung mehr und so verließ sie am 14. Februar des Jahres 3022 DZ diese Gefilde und ging mit dem Segen aller Elben in den Westen.

Diese Nachricht traf mich schwer. Es ist lange her, dass ich Aratinnuíre das letzte Mal sah, doch trage ich sie wie all meine Freunde immer in meinem Herzen, das sich nun schmerzhaft von einer weiteren Seele getrennt hat. Du sollst wissen, dass ich mit dir leide, aber ich mir nicht anmaßen möchte, wie schmerzhaft es für dich sein muss. Ich wünschte, ich hätte noch die Kraft dir all dies selber zu sagen, doch schon diese Feder zu halten und die Worte schwarz auf weiß niederzuschreiben erschöpft mich und lässt mich in Tränen ausbrechen.

Ich sehne mich nach den Sonnenuntergängen im fernen Westen…
In tiefer Trauer
Galadriel
« Letzte Änderung: Februar 14, 2012, 23:37 von Thorondor the Eagle » Gespeichert

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« Antworten #39 am: Februar 17, 2012, 21:25 »

Celebithiel hatte nicht geschlafen, sondern verharrte still und regungslos auf dem weichen Bett, während neben ihr die Herrin über das Waldlandreich einen unruhigen Schlaf ausfocht. Die Elbe war nicht in der Lage einzuschlafen, da ihre Gedanke immer wieder um das Gemälde kreisten, welches sie zuvor erblickt hatte.
Eine Elbe mit weißgoldenen Haar…ein Wort verschlossen und verbannt…belegt mit anderen Bildern…, geisterte es durch den Kopf der rotblonden Elbe.


„Kind glaubst du wirklich, dass er der richtige ist? Er ist einer der Noldor und kein Waldelb, so wie wir?“, zeterte Sílanims Mutter, während sie mit einem Kam aus milchigen Elfenbein durch die Haare der jugendlichen Elbe fuhr. „Ach meine Liebe, ich beneide dich um dein Haar. So weiß wie Schnee, erleuchtet es sogar die dunkelste Nacht!“
Sílanim schwieg derweil, so wie man es gelehrt hatte. Respekt und Tugend waren hohe Maßstäbe gewesen an denen Sílanim und ihre Schwester Glôriel bewertet wurden.
„Ich verstehe Fräulein Mutter“, fügte sie bescheiden hinzu und niedergeschlagen senkte sie ihre ozeanblauen Augen zu Boden. Die ältere Frau hingegen räusperte sich nur zufrieden, strich das Kleid der Elbe glatt und schickte sie nach draußen. Sie sollte dem Herren Amroth einen Strauß Blumen schenken.
„Ach dieses Kind….aber wenn man unseren König so ansieht“, sprach sie kopfschüttelnd zu sich selbst, „verliebt sich einfach in so ein Ding, dass hüpfend durch den Wald springt. Warum er keine anständige Waldelbe zur Frau nehmen wird?“
Ratlos verstaute sie den Kam in einer Schatulle, betrachtete sich im Spiegel und machte sich daran das Abendessen zuzubereiten, bevor ihre Töchter wieder nachhause kommen werden.
Sílanim ging artig mit gefalteten Händen über den kleinen Pflasterweg, der zu dem Flett führte, indem sie mit ihrer Familie lebt. Immer wieder drehte sie sich um, solange bis sie sich sicher war, dass ihre Mutter ihr nichtmehr hinterher blickte. Plötzlich verließ sie den vorgegebenen Pfad und schlug sich durch das wuchernde Walddickicht. Ihr Herz fing an zu rasen, als sie vorbei an unzähligen Bäumen, die zehn Mal so groß wie sie zu sein schienen, rannte; vorbei an Beerensträuchern, an denen sie sich die weißen Strümpfe aufriss; durch kleine Pfützen, die ihr aquamarinblaues Kleid besprenkelten. Die sorgfältig gekämmten Haare standen mittlerweile in alle Richtungen ab, dennoch kümmerte es die junge Waldelbe nicht. Seit ihr Vater gestorben war, übte ihre Mutter einen unheimlichen Druck auf ihre Töchter aus. Wollte sie am liebsten gar nicht mehr allein das Haus verlassen lassen. Glôria fügte sich diesem Schicksal. Sie würde deswegen auch einen reichen Kaufmann aus dem Düsterwald ehelichen, obwohl sie jenen noch nicht einmal gesehen hatte in ihren Leben.
Ihr Herz trug die junge Elbe durch die goldenen Wälder Lorínands, während sie die Freiheit in vollen, tiefen Zügen genoss. Erst als sie zum Stehen kam und erblickte, dass sie bei den Zelten der hohen Gäste aus Imladris angekommen war, machte ihr Herz einen Hüpfer.
Irgendwo hier musste er sein…der stattliche Elb, dem sie vor wenigen Tagen begegnet war…der sie und Glôria erwischt hatte, wie sie dem Festmahl lauschten…
Behutsam kein Geräusch zu machen umschlich sie das Zeltlager, welches zehn kleinere Zelte für die ordinären Soldaten, sowie Offiziere und zwei prunkvolle für Herr Elrond und Herr Glorfindel beherbergte.
Immer wieder lugte sie durch einen kleinen Spalt in die Zelte aus beigen Stoff hinein, aber nirgends konnte sie den Elben, der seit ihrer Begegnung ihre Gedanken und Träume bestimmte, entdecken. Erst beim letzten Zelt machte sie die kakaobraunen, gepflegten Haare des Elben aus, der sie zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte.
Das Blut schoss ihr in die Wangen, als sie erkannte, dass der Elb gerade dabei war sich zu entkleiden und zu waschen, aber ihre Augen hingen wie Metall an dem magnetischen Körper. Sie bemerkte die feinen Konturen seines muskulösen Oberkörpers, die sich still hoben und senkten, während er ein und ausatmete. Sílanim zählte unzählige kleine und größere Narben auf Brust und Bauch. Doch als der Elb mit einem feuchten Tuch über seine Leistengegend strich, entfuhr der Elbe ein heiseres Stöhnen. Ruckartig drehte sich der Elb um und funkelte Sílanim feindsinnig an, die erschrocken zurückwich und wieder ins Dickicht stolperte.
Auf einmal kam sie sich schmutzig und beschämt vor, während sie ihre zerrissenen Strümpfe und ihr dreckiges Kleid begutachtete. Die Tränen flossen ihr über die femininen Wangen und so rannte sie zurück. Rannte den Weg entlang, aber kein Zauber lag mehr auf den Wald, die freudige Erregung war einem Gefühl aus bitteren Scham und Furcht gewichen.
Schluchzend hastete sie den gepflasterten Weg entlang und stürmte die Treppe hinauf, die zu dem Flett ihrer Familie führte, bevor sie sich unter ihren Bettlaken versteckte.


Die Sonnenstrahlen kitzelten Celebithiels Wangen und ihre Augen wanderten zu den Vorhängen durch die einem winzigen Spalt nach draußen zu sehen war. Sie musste wohl doch ein wenig eingedöst sein, denn Galadriel saß in einen Sessel neben dem Bett und beobachtete sie mit einem freundlichen Lächeln auf den schmalen, herben Lippen. Kein Anzeichen von der Schwäche zeichnete mehr ihr Gesicht, außer der leicht geröteten Nase und den verquollenen Augen.
„Gute Morgen mein Liebes“, flüsterte sie behutsam und Celebithiel war klar, dass sie sich soeben geeinigt hatten nie über die Ereignisse der letzten Nacht zu reden. Es kümmerte sie auch nicht, denn gerade brannte ihr eine ganz andere Frage auf der Zunge und unvermittelt entgegnete sie.
„Galadriel könnt Ihr mir von einer Elbe namens Sílanim erzählen?“
Sofort kam sie sich dumm vor, als die Frage gestellt hatte, aber Galadriel runzelte die Stirn, schürzte die Lippen, bevor sie zu Sprechen begann.
„Ich kann und ich werde…auch wenn es mich wundert, dass du mich gerade nach diesen Namen fragst…“
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« Antworten #40 am: Februar 19, 2012, 23:53 »

Der späte Nachmittag war längst hereingebrochen und Amrûn lag nach wie vor flach auf dem Flet. Seine Arme streckte er weit von sich, seine Beine lagen in einer leichten Kretsche. Die Tränen auf seiner Haut waren längst verdunstet und neue kamen keine hinterher.
Sein leerer Blick fixierte das lockere Laubdach über ihm und den Himmel dahinter. Seine Gedanken kreisten nur um den Brief, nur um Aratinnuíre. Da spürte er die sanfte Berührung, einen warmen Hauch, auf seiner Wange. Er drehte den Kopf nach rechts und öffnete langsam die Augen. Goldenes Licht fiel durch die Kronen und die Blätter, die den Winter über an den Bäumen blieben, fielen sachte herab.
„Mein Liebling, mein Schatz“, lächelte Aratinnuíre ihn an.
Amrûn lächelte ihr ebenfalls zu. Er fühlte sich wohl, hob seine Hand und strich ihr dabei das Haar nach hinten.
„Warum hast du denn nichts gesagt?“, fragte er sie ein wenig vorwurfsvoll.
„Warum wohl? Ich musste stark sein für dich“, antwortete sie und ihr vertrautes Grinsen glitt ihr nicht von den Lippen.
„Aber nicht für diesen Preis.“
„Oh mein Schatz. Wie unglücklich wärst du geworden, hätte ich dich unverichteter Taten mit in den Westen genommen?“
„Ich wäre dir trotzdem gefolgt“, sagte er und schmiegte sich dabei an ihren Körper.
„Das weiß ich doch.“
Seine Augenlider und sein Kinn bebten, doch er konnte keine Träne mehr vergießen.
„Ich liebe dich so sehr“, sagte er mit zittriger Stimme.
„Ich dich auch“, entgegnete sie.

„Hier bist du“, riss ihn die fröhliche Stimme Irwynes aus den Gedanken. Erschrocken wandt er den Kopf zu ihr, tat dann aber so als ob er sie nicht bemerkte. Als er wieder zurück blickte, war Aratinnuíre verschwunden. Er legte den Kopf auf seinen rechten Arm und verblieb in dieser eingerollten Pose.
„Was ist mit dir? Ist etwas passiert?“, fragte das Mädchen besorgt und ihr Blick fiel dabei auf den geöffneten Brief, der hinter Amrûns Rücken lag. Behutsam hob sie ihn auf und laß ihn aufmerksam. Es dauerte keine Minute, als sie auf die Knie sank und ihre Hand die des Elben suchte.
Irwyne wusste nicht fiel über Aratinnuíre, doch aus den wenigen Geschichten die ihr erzählt wurden, wusste sie, dass sie alles für Amrûn bedeutete.

Es vergingen noch Stunden, ohne dass die beiden ihre Position wechselten. Das kleine Mädchen, deren Erfahrung im Verlust schon so groß war, wusste, dass der Elb jetzt nicht alleine sein konnte; allein sein wollte.

Die Sterne schienen hell und klar über ihren Köpfen und die nächtliche Frische legte sich auf ihre Gesichter, als Amrûn plötzlich zu sprechen begann.

„I…“, seine Stimme stockte „I… Ich bin schuld daran.“
„Nein“, entgegnete sie verzweifelt und aus tiefstem Mitgefühl bildeten sich Tränen in ihren Augen „Nein. Sowas darfst du gar nicht denken.“
Er setzte sich auf: „Aber wenn es so ist? Es ist noch kein Jahr her, dass wir an den Ufern des Meeres standen und uns hätten aufmachen können in die unsterblichen Lande. Zahlreiche Monate in denen wir hätten glücklich Leben können; jenseits eines Schattens. Sie war so dumm. So dumm, Mittelerde auf diesen Zettel zu schreiben. Ich wollte gehen, ich wäre gegangen, doch dieser verdammte Zettel.“
Stillte kehrte ein, dann brüllte er laut „Seit wann höre ich auf das, was andere mir sagen?!“
„Ruhig! Beruhige dich, Amrûn“, bat sie ihn.
„Ich bin ruhig!“, forschte er zurück.
„Sie selbst hat diese Entscheidung getroffen, sagst du. Warum also solltest du daran Schuld sein?“
„Weil sie aus den falschen Gründen hier blieb“, er schwieg und rieb sich die Augen „Sie blieb meinetwegen.“
„Amrûn, mein Amrûn“, begann sie nun wieder leise zu sprechen „Es liegt in unser aller Natur für Dinge für die wir nichts können einen Grund zu suchen oder einen Schuldigen. Doch das geht nicht. Manches passiert einfach. Manchmal sterben Eltern, Freunde, geliebte Menschen und sie verlassen uns. Doch die Entscheidung lag niemals bei uns.“

Die Worte wirkten in dieser betrübenden Stille und Dunkelheit.

„Ich hätte damals eine Entscheidung für uns treffen können. Aber ich hab es nicht getan“, keuchte er leise.

Eine drückende Stille legte sich wieder zwischen die beiden. Irwyne bemerkte die schlaffen Augen des Elben und reichte ihm ihren Wasserbeutel. Dankend nahm er wenige Schluck. Das klare Wasser perlte von seinem Kinn und reflektierte das silberne Licht des Mondes.

„Möchtest du mir von ihr erzählen?“, fragte Irwyne gutmütig.
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« Antworten #41 am: Februar 28, 2012, 22:20 »

Der Elb saß nur da. Er hätte der kleinen Irwyne tausende Geschichten erzählen können. Das Erlebnis Aratinnuíre kennen gelernt zu haben, das Erlebnis sie lieben gelernt zu haben. Amrûn hätte erzählen können, wie er ihr in den kältesten Nächten des Nordens von seinen größten Leiden erzählt hat und wie sie es geschafft hatte ihm beizustehen. Er hätte von der ersten Reise nach Imladris oder Lorien berichten können, oder von dem Tag, als sie Cirdan ihre Liebe offenbarten und von dem Tag als er Aratinnuíre verließ um nach Dol Amroth zu segeln.

Doch er konnte nicht, er wollte es einfach nicht. Stattdessen presste er einen Seufzer heraus, der in einer humorvollen Umgebung in ein Lachen ausgeartet wäre. Seine Mundwinkel zogen sich leicht nach oben: „Wenn ich so überlege…“

Interessiert starrte das junge, blonde Mädchen ihn an.

„… ist unser Leben eine Summe aus Fehlenentscheidungen. Alles was wir tun, alles was uns auszeichnet gipfelt im Misserfolg“, belegte der Elb.
„Amrûn!“, hauchte sie und ihre Stimme hob sich aus Verzweiflung „Amrûn Ich verstehe, dass du jetzt so denkst. Ich verstehe dich nur zu gut. In so einem Moment zerrt einen die Dunkelheit nach unten und benebelt deine Gedanken. Vergiss nicht, vergiss niemals“, sie stockte kurz und wurde wieder vollkommen ruhig „Der einzige Fehler den wir begehen ist in Zeiten wie diesen an die schlechten Erinnerungen zu denken. Doch gab es auch gute Jahre. Ein Leben, dass ihr gemeinsam verbracht habt und nichts auf der Welt kann dir das noch nehmen.“

Die Worte trafen ihn, perlten jedoch von ihm ab wie Wasser von einem Lotusblatt.
„Wenn dies alles ist was bleibt, stehe ich mit leeren Händen da“, antwortete er trocken.
„Sag doch nicht sowas.“
„Irwyne. Erinnerungen verblassen. Vielleicht nicht in einem Menschenleben, aber nach tausenden von Jahre, ist die Vergangenheit nichts weiter als grau.“

Irwyne war verwirrt von seinen Worten und schaute in die Ferne, weg von ihm.

„Das Aratinnuíre fort ist, ist traurig. Doch noch erdrückender ist die Art, wie du damit umgehst.“
„Was!“, pfauchte Amrûn plötzlich „Soll ich mich auch noch für mein Verhalten rechtfertigen? SIE ist gegangen, SIE hatte entschieden, dass ich nach Dol Amroth gehen soll und ich habe auf sie gehört. SIE ist schuld.“
Er war wütend und sein Brustkorb hob und senkte sich rasant.

„Nein!“, brüllte Irwyne nun zurück „Niemand ist schuld.“
„Niemand“, hauchte sie hinterher und wurde gleich wieder ruhiger „Das musst du begreifen.“
Der Elb zog seine Augenbrauen zusammen und sah sie ernst an: „Das denke ich nicht… und jetzt lass mich endlich alleine.“

„Nei…“, entgegnete sei.
„Geh!“, schrie er sie an und das kleine Mädchen rannte davon. Er glaubte noch ein leises Schluchzen zu hören ehe sie die Treppe nach unten verschwand.

Amrûn setzte sich an das Ende des Flets und lehnte sich an den Baumstamm. Er presste seine Zähne aufeinander und dachte eine lange Zeit nach, ehe er kurz vor der Morgendämmerung einnickte.
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« Antworten #42 am: März 21, 2012, 20:58 »

Oronêl, Mithrellas und Ladion mit einigen Elbenkriegern aus den Wäldern Lothlóriens...

Ein weiteres Mal versank die Sonne allmählich hinter den Baumspitzen, als die Oronêl und Mithrellas nach Caras Galadhon zurückkehrten. Gerade in dem Augenblick, in dem sie eine Kuppe überschritten zum ersten Mal auf die Stadt aus Bäumen blickten, berührte die Sonne die obersten Wipfel der Stadt und tauchte das Land in goldenes Licht. Am Boden der Stadt, nahe der Wälle, wo das Licht bereits vom Schatten der Bäume verdrängt wurde, leuchteten nach und nach silberne Lampen auf, sodass die unteren Bereiche Caras Galadhons wie ein dunkler See, auf dem sich die Sterne spiegelten, schienen.
Bei diesem Anblick war Oronêl stehen  geblieben, und die anderen folgten seinem Beispiel. "Ich hatte nahezu vergessen, wie schön es ist.", sagte Mithrellas leise. "Ich war zu lange fort." "Ich noch länger.", erwiderte Oronêl, "Und auch das ist ein Jammer, obwohl ich auf meinem Weg gute Freunde gefunden habe. Also könnte man sagen, dass sich Verlust und Gewinn dennoch die Waage gehalten haben." Sie setzten ihren Weg in die Stadt fort.

Als die Gruppe die Stadt durch das südliche Tor betreten hatte, sagte Oronêl zu den Elbenkriegern: "Hier trennen sich unsere Wege für diesen Moment. Ich möchte euch bitten, euch so schnell wie möglich zur nördlichen Grenze aufzumachen, denn dort wächst die Gefahr eines Angriffs von Stunde zu Stunde. Doch du, Ladion, „ meinte er, an selbigen gewandt, "wirst mich begleiten. Ich möchte mit Galadriel sprechen, und ich würde sowohl dich als auch Mithrellas gerne dabei haben." Die Elben nickten, und Oronêl, Mithrellas und Ladion setzten ihren Weg zum Wohnsitz Galadriels allein fort.

"Ah, sieh da, der Waldsohn und die Verschwundene sind wieder vereint. Schön, das zu sehen meine Freunde!" Beim Klang der Stimme Radagasts wandten die drei Elben sich um und sahen den in Braun gekleideten Zauberer eine Seitentreppe hinunterkommen. Trotz seiner gut gelaunten Worte war sein Gesicht ernst, als ob etwas vorgefallen sei. Oronêl verbeugte sich und sagte dann: "Auch wenn du solche Respektsbekundungen ablehnst, wie ich nun weiß, muss ich dir viele Male dafür danken, dass du mir meine Tochter zurückgegeben hast. Ohne deinen Anstoß wäre ich nie zum Cerin Amroth zurückgekehrt. Ich danke dir, Radagast." Auch Mithrellas dankte dem Magier, doch nun lächelte er tatsächlich und erwiderte: "Dankt nicht mir, ich war lediglich der Bote. Galadriel übergab mir das Buch und sagte mir, was ich dir gesagt habe, Waldsohn, denn sie ahnte, dass du kommen würdest." Das Gesicht des Zauberers wurde schlagartig wieder ernst. "Doch ich habe erneut einen Rat für dich, und diesmal ist es mein eigener. Gehe dorthin, wo ich herkam, und du wirst jemanden finden, der Hilfe benötigt. Und ihr, Mithrellas und Ladion Klugherz, folgt mir. Ich muss euch jemandem vorstellen... vor allem euch, Mithrellas..."
Die Stimme Radagasts wurde immer leiser, während er mit Mithrellas und Ladion davonging, bis sie ganz verstummte. Oronêl verharrte noch einen Augenblick auf der kleinen Plattform, dann folgte er der Treppe, von der Radagast gekommen war, nach oben.

Am Ende der Treppe befand sich ein Flett, das von Wandschirmen nahezu vollständig umgeben war, doch in Richtung der Abendsonne befand sich eine Lücke. Durch diesen Spalt ergoss sich ein goldener Lichtstrahl auf das Flett, und dort saß am Rand der Plattform eine schmale Gestalt. Als Oronêl das Flett betrat, drehte sie sich um und stand auf, und er erkannte Irwyne, der eine Träne über die Wange lief. Das Rohirrim-Mädchen machte einen Schritt auf ihn zu und sagte dann mit leiser Stimme: "Danke, dass du gekommen bist. Ich... " Sie stockte und brach erneut in Tränen aus. Oronêl trat auf sie zu und beugte sich zu ihr herunter, denn er überragte sie um ein ganzes Stück, und legte ihr eine Hand auf die bebende Schulter. "Wie kann ich helfen?"
"Es... es geht um...", begann Irwyne, immer wieder von Schluchzern unterbrochen.“Es geht um Amrûn. Er hat... einen Brief gekriegt, dass seine... seine Geliebte Mittelerde verla... verlassen hat. Ich wollte mit ihm sprechen... aber... er hat mich abgewiesen. Angeschrien. Ich... " Sie hob den Kopf und blickte ihm ins Gesicht.“Ich habe Angst um ihn, Oronêl, Angst, dass ihn der Verlust zerstört. Und ich dachte... Niemand von uns allen hat so lange gelebt, wie er... außer dir. Und Amrothos hat mir davon erzählt, das... dass auch deine Frau in den Westen gefahren ist..." Sie blickte nun fast ängstlich, unsicher, wie er reagieren würde. Nach außen zeigte er keine Regung, doch in ihm tobten verschiedenen Gefühle: Trauer, die er immer noch fühlte, wenn jemand Calenwen erwähnte, Zorn auf Amrothos, weil er seine Geschichte einfach so weitererzählt hatte, und Mitleid mit diesem Mädchen, das nach menschlichen Maßstäben fast eine Frau war, für ihn aber nur wenig mehr als ein Kind.
Als er keine Anstalten machte, etwas zu sagen, sondern sie nur anblickte, fuhr sie fort. "Ich dachte mir... wenn keiner sonst ihm helfen kann,... dann vielleicht jemand, der ihm so sehr ähnelt, wie du. Wirst du mit ihm sprechen, Oronêl? Für mich? Für ihn?"
Er atmete einmal tief durch, dann antwortete er sanft: "Du weißt nicht, wie viel du von mir verlangst, Kind. Wieder über einen solchen Verlust zu reden..." "Oh doch, ich weiß es, glaub mir.", erwiderte Irwyne. "Lass dich nicht von meinem Alter täuschen, auch ich weiß, wie sich der Verlust geliebter Menschen anfühlt!"
Plötzlich glitzerte Zorn in ihren Augen. "Nun gut. Ich werde zu ihm gehen, und mit ihm sprechen. Doch versprich dir nicht zu viel davon, denn ich weiß, wie lange es dauert, einen solchen Schlag zu verkraften."
Jegliche Wut schwand aus den Augen des Mädchens, und nun stand Dankbarkeit darin. "Als ich ihn zuletzt gesehen habe, war er auf dem höchsten Flett in dieser Stadt.", flüsterte sie. Oronêl nickte und wandte sich zum gehen. Als er bereits auf der Treppe war, hörte er sie noch leise sagen: "Und vielen Dank für deine Hilfe...", dann war er außer Sichtweite.

Nur noch wenige Stufen, dann würde er oben sein, auf dem höchsten Punkt der Stadt. Früher, nach Calenwens Weggang, war dies der Platz gewesen, an den er sich zurückgezogen hatte, wenn er an sie dachte. Ein merkwürdiger Zufall, dass nun auch Amrûn an ausgerechnet diesem Platz vom Verlust seiner Geliebten erfahren hatte... Er erreichte das Flett, das noch von den letzten Strahlen der Abendsonne erhellt wurde, und trat aus dem Schatten des Baustammes ins Licht. Dort saß Amrûn, mit geschlossenen Augen und an den Baumstamm gelehnt, das Gesicht der Sonne zugewandt. Oronêl setzte sich neben ihn auf den Rand der Plattform, ohne etwas zu sagen.  Eine Zeit lang schwiegen sie, während die Sonne immer tiefer sank und unter ihnen in der Stadt immer mehr Lichter aufleuchteten. Doch bevor die Sonne völlig hinter dem Gebirge verschwand, begann Oronêl zu sprechen.
"Was ist passiert?"
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« Antworten #43 am: März 21, 2012, 22:32 »

Der Elb hatte gespürt, dass sich jemand neben ihn setzte und leise atmete. Er spürte die Anwesenheit und glaube, dass es wieder Irwyne war.
Umso merkwürdiger war es für ihn eine männliche Stimme zu hören, die Oronêls.

Er dachte darüber nach, was passiert sei und es verwirrte ihn. Da waren ein Brief, ein sanfter Traum, wärmende Sonnenstrahlen, eine Hand an seiner Hüfte, tausende Tränen und beruhigende Worte. Amrûn wusste, dass etwas nicht stimmte. Er hatte es schon in Dol Amroth bemerkt, als er auf dem Maskenball war und auf das Gemälde startte, doch ein solcher Hammerschlag konnte es nicht sein. Nicht jetzt, nicht wo er sich entschieden hatte.

Amrûn öffnete die Augen und wurde von den letzten Sonnenstrahlen geblendet. Seine Lippen waren rissig und sein Mund ausgetrocknet.
„Was passiert ist?“, fragte er mehr sich selbst als zu Oronêl „Nichts dessen Erwähnung es wert wäre.“
„Und was haltest du in deiner Hand?“, fragte der andere neugierig.

Erst jetzt bemerkte Amrûn das glatte Pergament zwischen seinem Zeige- und Ringfinger.
„Es… es ist nichts“, entgegnete er und versuchte damit abzuwürgen.
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1. Char Amrûn ist in Lothlorien   |-----|   2. Char Elea ist in Minas Tirith
Eandril

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« Antworten #44 am: März 22, 2012, 13:09 »

"Nichts? Da glaube ich dir nicht.", erwiderte Oronêl. Er sah zu Amrûn hinüber und erkannte in seinem Gesicht ähnliche Gefühle wieder, wie jene, die er dreitausend Jahr zuvor selbst verspürt hatte... und es immer noch tat.
"Ich kann in deinem Gesicht lesen, dass etwas geschehen ist. Du hast etwas - oder jemanden - sehr wichtiges verloren, habe ich nicht Recht?"
Zum ersten Mal drehte Amrûn den Kopf in seine Richtung, sah ihn aber dennoch noch nicht direkt an. "Woher willst du das wissen? Du kannst es nicht verstehen... nicht begreifen.", sagte er leise, beinahe teilnahmslos.
Diese Worte erinnerten Oronêl an etwas, dass er selbst vor nur kurzer Zeit zu Irwyne gesagt hatte... "Ich bin mir nicht sicher, dass du damit Recht hast. Ich selbst habe heute den Fehler begangen zu glauben, dass eine andere Person nicht verstehen könnte, was ich erlebt habe. Was ich fühle. Doch ich habe mich geirrt. Bevor man urteilt, sollte man anderen vertrauen. Erzähle es mir, dann werde ich dir sagen, warum ich dich wahrscheinlich besser verstehe, als du glaubst."
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RPG: 1. Char Oronêl ist in Lothlórien
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Thorondor the Eagle

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« Antworten #45 am: März 29, 2012, 20:48 »

Etwas in Amrûn begann zu arbeiten. Er spürte, wie ihm im Magen mulmig wurde und sich sein Hals zuschnürte. Er spürte, dass er hier nicht länger sitzten konnte und nichts zu tun hatte. Ein Gefühl trieb ihn an.

„Nein… nein. Ich habe keine Zeit um jetzt Geschichten zu erzählen. Die Zeit drängt… die Sehnsucht drängt mich. Mein Instinkt sagt mir, dass ich Lorien verlassen und so schnell wie möglich nach Mithlond reiten muss.“
„Aber.. aber… Amrûn“, stotterte Oronêl und hielt ihn am Arm fest, als der andere Elb aufstehen wollte „Woher kommt der Sinneswandel?“
Ein beruhigtes Lächeln legte sich auf die Lippen des Elben: „Jemand erwartet mich.“

Oronêl war verwirrt und glaubte nur annähernd zu verstehen worauf er hinaus wollte. Amrûn befreite sich aus dem Griff seines Freundes und sah ihn erwartungsvoll an.

„Amûn, da ist niemand. Keiner der auf dich wartet“, entgegnete ihm der Elb, hielt kurz dem Blick stand, schaute dann aber mitleidig auf den Boden.
Entäuscht von den hoffnungslosen Worten Oronêls stürmte er auf die Treppe zu um nach unten zu laufen.
„Amrûn…“, rief er ihm hinterher und dieser erstarrte auf der ersten Stufe nach unten.
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Eandril

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« Antworten #46 am: März 29, 2012, 21:24 »

"Ich glaube, der Grund für deinen Schmerz liegt in Mithlond, nicht unbedingt die Lösung."
Amrûn, der auf der obersten Treppenstufe stehengeblieben war, drehte sich langsam um, doch in seinem Gesicht zeigte sich keine Regung.
"Du hast jemanden verloren.", fuhr Oronêl fort. "Ich weiß es, denn ich sehe mich in dir. Nachdem ich im Krieg des Letzten Bundes Amdír, meinen König und... einen der besten Freunde, die ich jemals hatte verloren hatte, kam es bei meiner Rückkehr zu einem Streit... mit Calenwen, meiner geliebten Frau. Ich... Ich floh in die Wälder Lóriens... allein mit meinem Schmerz... floh vor meiner Verantwortung." Er spürte, wie sich eine Träne aus seinem Augenwinkel löste und seine linke Wange hinab rann. "Als ich zurückkehrte, war sie fort... nach Westen gefahren, meinetwegen... Ich dachte, es würde mich umbringen."
Er machte einen Schritt auf Amrûn zu und packte den immer noch regungslosen Elben an der Schulter. "Ich denke, ich kann ermessen, was du fühlst... und dich verstehen.Aber du hast nur zwei Möglichkeiten: Wegzugehen, wie ich es getan habe, oder hier zu bleiben. Doch wenn du später zurückkehrst, könnte es schon zu spät für Lórien sein, darum rate ich dir... nein, ich bitte dich darum, mein Freund, bleib hier. Dein Schmerz wird nicht verschwinden, aber möglicherweise... vielleicht hilft dir der Krieg, ihn für den Moment zu vergessen. Bleib hier, und wenn du möchtest werde ich dich später nach Mithlond begleiten. Doch wenn du nun gehst, musst du es allein tun, denn meine Pflicht ist hier."
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Thorondor the Eagle

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« Antworten #47 am: März 31, 2012, 11:43 »

Krieg, Neid, Tod… all dies hatte Aratinnuíre verabscheut bzw. nicht verstanden.
Amrûn wollte nicht mehr. Er wollte nur bei ihr sein und das konnte er nicht. „Sag so etwas nicht. Du gibst mir nur noch einen Grund mehr zu gehen.“
„Jeder Mann ist hier von nöten, ansonsten wird Lorien fallen und somit unsere Heimat zerstört.“
„Ich liebe Lothlorien, aber noch mehr liebe ich die Momente mit Aratinnuíre.“
„Aber sie ist weg, versteh das doch!“ redete Oronêl auf ihn ein.
„In meinem Leben habe ich gelernt, dass vieles nicht so ist wie es scheint. Vielleich that sich Galadriel geirrt. Selbst die Weisesten wissen und erkennen nicht alles.“
„Du… du bist schon so lange auf dieser welt, so weise. Warum fängst du jetzt damit an wegzulaufen?“
„Niemals hatte ich ein klarerers Ziel vor Augen. Ich werde heimkehren!“, bestimmte Amrûn und ging die Stufen hinab.
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« Antworten #48 am: April 10, 2012, 18:45 »


Amrûns Entscheidung machte ihm mehr zu schaffen, als er geglaubt hätte. Wieder einmal verließ ihn ein Freund, und es war mehr als nur unwahrscheinlich, dass er ihn jemals wiedersehen würde.

Langsam schritt er eine der vielen gewundenen Treppen von Caras Galadhon hinunter, unsicher, wohin er ging und was er tun wollte. Er kam an eine Plattform, an der sich mehrere Treppen, die zu anderen Bäumen führten, kreuzten, und sah sich plötzlich einer ganz in Blau gekleideten Gestalt mit einem langen Bart gegenüber. Sein erster Gedanke galt Radagast, dem braunen Zauberer, doch dieser Mann war in Blau und nicht in Braun gekleidet, und obwohl ihm die großväterliche Aura, die Radagast ausstrahlte, fehlte, schien er diesem auf eine seltsame Weise ähnlich zu sein.
"Mein Name ist Pallando, und um eure unausgesprochene Frage zu beantworten: Ich gehöre ebenso wie Aiwendil, den ihr unter dem Namen Radagast kennt, dem Orden der Istari an."
"Was wünscht ihr von mir?", fragte Oronêl zwischen Überraschung und Ehrfurcht vor dem Zauberer schwankend.

"Ich will gar nichts von euch, Oronêl Galion, ich überbringe euch eine Warnung. Ich spüre etwas an euch, etwas Dunkles und Gefährliches, das viele zu besitzen begehren. Und ich warne euch, dass am heutigen Abend außer Verlust auch Verrat in der Luft des Goldenen Waldes liegt. Seid auf der Hut!"
Und damit war der Pallando so schnell wieder verschwunden wie er gekommen war, beinahe, als hätte er sich aufgelöst, und ließ Oronêl noch verwirrter und besorgter als zuvor zurück.



Oronêl und Amrothos gingen nebeneinander unter den Bäumen von Caras Galadhon, während am Himmel ein Stern nach dem anderen aufleuchtete. Oronêl sah nach oben und sagte: "Es ist merkwürdig. Es passiert so viel Schlimmes, und immer wieder wird das Leben eines einzelnen erschüttert, sodass er denkt, die Welt müsse sich irgendwie verändert haben... Aber die Sterne bleiben immer gleich. Unberührt von unseren kleinen Leben. Und dennoch... vielleicht spenden sie uns Trost, denn sie kann der Schatten niemals erreichen."

Amrothos nickte abwesend und meinte dann: "Ich habe deine Tochter kennen gelernt... Der braune Zauberer hat uns einander vorgestellt."
Oronêl lächelte. "Und? Was denkst du von ihr?"
"Ich... Ich weiß es noch nicht genau. Sie erschien mir stark und unbeugsam, aber dennoch auch weich und sanft. Aber es fällt mir schwer, sie als meine Ahnherrin zu betrachten, denn es liegt zu viel Zeit zwischen uns. Ebenso..." Er stockte.
"... ebenso wie bei mir.", beendete Oronêl den angefangenen Satz ruhig.
Amrothos blieb stehen. "Nun... ja.", erwiderte er, und schien sich dabei nicht wohl zu fühlen.

"Gut.", meinte Oronêl. "Das will ich auch nicht. Ich will nicht, dass du zu mir aufblickst, wie zu einem ehrwürdigen Vater, sondern mich als einen Freund ansiehst. Denn Freundschaft... Freundschaft ist für mich das Wichtigste. Ich habe so viele Freunde über die Jahre und... auch jetzt... verloren. Und deshalb möchte ich dich als Freund, nicht als Sohn an meiner Seite haben."
Amrothos schien erleichtert zu sein.

Sie gingen noch eine Weile weiter, und setzten sich dann an den Rand der Stadt, mit dem Rücken zu Wall, und betrachteten die Lichter in den Bäumen. Schließlich sagte Oronêl: "Ich werde dir nun etwas erzählen, was eigentlich geheim bleiben sollte, doch ich finde, Freunde sollten so wenig Geheimnisse voreinander haben wie möglich. Ich werde dir erzählen, wie es mir gelungen ist, den Nazgûl in Dol Amroth zu besiegen."
Amrothos wandte ihm das Gesicht zu, und in seinen Augen spiegelte sich Neugier. Kurz überlief Oronêl ein Schauer, und sein Nacken kribbelte, doch er wusste nicht, warum.

"Der Ringgeist war zu stark für mich. Er war dabei mich zu überwältigen und wollte mich mit seinem Schwert erschlagen, obschon Celebithiel ihn bereits vorher schwer verwundet hatte. Ich wage nicht daran zu denken, wie der Kampf ausgegangen wäre, wäre das nicht der Fall gewesen. Doch bevor er mich töten konnte, ergriff ich seinen Ring und zog ihn von seinem Finger... oder eher von seinem Kettenhandschuh. Da verließ sein Geist seine Gestalt, soweit man es Gestalt nennen kann, und er war besiegt. Ich denke, dies ist der einzige Weg einen Nazgûl zu vernichten: Man muss ihm seinen Ring abnehmen, und diesen vernichten."

Er nahm den Ring aus einem Beutel, der an seinem Gürtel hing. "Hier, das ist er. Wenn ich die Schlacht gegen Saruman überlebe, werde ich nach einer Möglichkeit suchen, ihn zu vernichten." Er sah Amrothos in die Augen, die merkwürdig glitzerten und den Ring fixierten, doch fiel ihm dies nicht weiter auf.
"Ich möchte dich bitten, mir dabei zu helfen. Ich hätte dich gerne als Freund und Gefährten an meiner Seite, doch wenn du nach Dol Amroth zu deinem Vater und deinem Volk zurück kehren möchtest, würde ich dich verstehen. Was sagst du?"
Amrothos antwortete nicht und zeigte auf sonst keine Regung. Seine Augen fixierten den Ring, der noch immer in Oronêls Hand lag.
"Amrothos?" fragte Oronêl unsicher. Ihn beschlich ein Gefühl des Unbehagens, und plötzlich entsann er sich der Worte Pallandos.

Ich habe viel zu viel geredet!

Plötzlich traf ihn Amrothos Faust mit brutaler Gewalt an der Schläfe. Er wurde herum gerissen und sein Blickfeld trübte sich. Er sah Amrothos über ihm knien, und Hände schlossen sich um seinen Hals, doch er konnte sich in seiner Benommenheit nicht wehren. Er kämpfte um Atem, doch der Druck auf seinen Hals ließ nicht nach. Langsam schwanden ihm die Sinne und er glitt in die Dunkelheit...

Ich warne euch, dass am heutigen Abend außer Verlust auch Verrat in der Luft des Goldenen Waldes liegt. Seid auf der Hut!
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